Wie gerecht ist die Altersvorsorge in Deutschland wirklich? Über die Rentenlücke und die Zukunft der betrieblichen Altersversorgung
Expertenprofil von Martin Gattung anzeigenFrauen verfügen im Durchschnitt über rund ein Drittel weniger eigene Alterseinkünfte als Männer. Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge und die zunehmend an Bedeutung gewinnende betriebliche Altersversorgung (bAV) können Abhilfe schaffen. Welche Herausforderungen und Chancen damit verbunden sind, zeigt die Sendung „Vorsorge. Einfach. Besser.“. Sie berichtet über das German Equal Pension Symposium in Berlin, das die Rentenlücke bei Frauen, die Verantwortung der Arbeitgeber und die Frage, wie eine zukunftsfähige Altersvorsorge aussehen kann, in den Mittelpunkt stellt.
Rentenlücke bei Frauen: Altersvorsorge beginnt im Berufsleben
Die finanzielle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern entsteht häufig lange vor dem Renteneintritt. Elternzeit, Teilzeitbeschäftigung und die Pflege von Angehörigen führen dazu, dass insbesondere Frauen weniger in ihre Altersvorsorge einzahlen können.
Beim German Equal Pension Symposium, initiiert von Cordula Vis-Paulus, wurde deutlich, dass finanzielle Engpässe während dieser Lebensphasen ein entscheidendes Hindernis darstellen. Viele Beschäftigte stellen ihre privaten Vorsorgeverträge vorübergehend beitragsfrei. Die langfristigen Auswirkungen auf ihre spätere Rente werden dabei häufig unterschätzt. Dass es auch anders geht, zeigen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter selbst während der Eltern- oder Pflegezeit weiterhin bei der Altersvorsorge unterstützen. Solche Modelle können einen wichtigen Beitrag leisten, um die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern nachhaltig zu verringern.
Altersvorsorge-Reform 2027: Neue Chancen und Herausforderungen
Mit der geplanten Reform der privaten Altersvorsorge soll die staatlich geförderte Vorsorge einfacher, flexibler und attraktiver werden. Das neue Altersvorsorge-Depot soll für Neuverträge die bisherige Riester-Rente ablösen und auch renditeorientierte Anlagen ohne Beitragsgarantie ermöglichen. Die Reform verspricht neue Chancen, wirft aber gleichzeitig wichtige Fragen auf: Wie viel Eigenverantwortung können Verbraucher übernehmen? Und welche Rolle spielt die persönliche Beratung, wenn staatlich geförderte Vorsorgeprodukte zunehmend auf Kapitalmarktanlagen setzen?
Auf dem Symposium wurde deutlich, dass Finanzbildung und qualifizierte Altersvorsorgeberatung weiterhin entscheidend bleiben. Denn ein kostengünstiges Vorsorgeprodukt allein löst noch keine individuelle Rentenlücke.
Den ganzen TV-Beitrag vom "German Equal Pension Symposium 2026" können Sie sich bei "Vorsorge. Einfach. Besser." bei Experts TV anschauen: Hier klicken.
Betriebliche Altersversorgung: Arbeitgeber stärker in die Verantwortung nehmen
Neben der privaten Vorsorge gewinnt die betriebliche Altersversorgung (bAV) zunehmend an Bedeutung. Sie bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, ihre Beschäftigten beim Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge zu unterstützen. Eine zentrale Herausforderung liegt allerdings in der Übertragbarkeit bestehender Versorgungsansprüche. Häufige Arbeitgeberwechsel führen dazu, dass Beschäftigte mehrere kleinere Rentenansprüche erwerben, anstatt eine durchgängige Versorgung aufzubauen.
Auf dem German Equal Pension Symposium wurden deshalb verschiedene Reformansätze diskutiert. Dazu gehören eine verbesserte Portabilität der bAV, automatische Teilnahmeverfahren mit Widerspruchsmöglichkeit (Opt-out) sowie eine stärkere Nutzung staatlicher Fördermöglichkeiten und Arbeitgeberzuschüsse. Gerade für Beschäftigte mit geringeren Einkommen könnten solche Maßnahmen den Zugang zur betrieblichen Altersversorgung erleichtern.
Martin Gattung über Longevity: Altersvorsorge muss länger gedacht werden
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Altersvorsorge ist die steigende Lebenserwartung. Martin Gattung, Berater der Altersvorsorgebranche, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Langlebigkeit, und den daraus entstehenden Herausforderungen für die finanzielle Absicherung im Alter. Um neue Perspektiven auf dieses Thema zu gewinnen, reiste Gattung nach New York und tauschte sich dort mit Menschen aus, die sich täglich mit den unterschiedlichen Facetten eines längeren Lebens beschäftigen. Dabei wurde für ihn deutlich, dass Longevity weit über medizinische Fragen hinausgeht. Neben Gesundheit und körperlicher Leistungsfähigkeit spielen auch Lebensfreude, gesellschaftliche Teilhabe und das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden, eine wichtige Rolle.
Für die Altersvorsorgebranche bedeutet dies, dass bestehende Versorgungskonzepte zunehmend auf längere Lebensphasen ausgerichtet werden müssen. Schließlich geht es nicht nur darum, möglichst lange zu leben, sondern auch darum, diese zusätzlichen Lebensjahre finanziell abgesichert und selbstbestimmt gestalten zu können.
Fazit: Die Zukunft der Altersvorsorge braucht gemeinsame Lösungen
Die ausgezeichneten Unternehmen des German Equal Pension Awards zeigen bereits, wie Arbeitgeber Verantwortung übernehmen und finanzielle Sicherheit über unterschiedliche Lebensphasen hinweg fördern können. Denn eine gerechte Altersvorsorge beginnt nicht erst mit dem Renteneintritt, sondern mitten im Berufsleben.
Aeiforia GmbH, das Beratungshaus für Anbieter von Altersvorsorgeprodukten, gegründet im Jahr 2011 von Martin Gattung, zeichnet sich mit seiner vollständig arbeitgeberfinanzierten bAV besonders aus. Das bAV-Konzept der Aeiforia wurde auf dem German Equal Pension Award als vorbildlich vorgestellt.