Zuversicht statt Abwarten: Wie Karl-Heinz Pfeifer Haltung in konkretes Handeln übersetzt
Redaktion
Wie lässt sich eine Entscheidung treffen, wenn die Sicherheit fehlt, dass sie richtig sein wird? Karl-Heinz Pfeifer widmet dieser Frage sein „Grundgesetz der Zuversicht“. Der Rechtsanwalt, Mediator und Speaker formuliert darin 48 Artikel für ein selbstbestimmtes Leben. Sein Verständnis von Zuversicht verbindet einen nüchternen Blick auf die Wirklichkeit mit der Bereitschaft, den eigenen Handlungsspielraum zu nutzen.
Ein Grundgesetz für die eigene Orientierung
Würde, Verantwortung, Vertrauen, Freiheit: Die Begriffe im Inhaltsverzeichnis erinnern zunächst an eine rechtliche Ordnung. Auch der Aufbau folgt dieser Sprache. Eine Präambel eröffnet das Buch, anschließend gliedern zwölf Abschnitte die 48 Artikel. Einzelne Gedanken sind in nummerierten Absätzen gefasst.
Pfeifer nutzt damit eine Form, die zu seinem beruflichen Hintergrund passt. Als Rechtsanwalt arbeitet er mit Struktur und klaren Unterscheidungen, als Mediator mit Verständigung und unterschiedlichen Interessen. Diese Perspektiven überträgt er auf Fragen des persönlichen und gemeinsamen Handelns.
Sein „Grundgesetz“ soll eine Orientierung bieten, die auch unter Druck trägt. Woran halte ich mich, wenn Erwartungen kollidieren? Wie übernehme ich Verantwortung, ohne mich für alles zuständig zu fühlen? Und welche Grenze braucht es, damit eine Entscheidung den eigenen Werten entspricht?
Die Antworten bleiben im Buch nicht allein auf der Ebene von Leitsätzen. Fragen und Arbeitsseiten fordern dazu auf, die Gedanken auf die eigene Situation zu beziehen.
Zuversicht braucht keine Garantie
Pfeifers zentrale Unterscheidung betrifft Zuversicht und bloßen Optimismus. Eine zuversichtliche Haltung setzt in seinem Verständnis keine Überzeugung voraus, dass am Ende alles gut werden müsse. Sie sucht nach Möglichkeiten, obwohl ein günstiger Ausgang offenbleibt.
In Artikel 48 formuliert er:
„Zuversicht braucht weder Gewissheit noch Kontrolle über den Ausgang eines Geschehens.“
Damit verändert sich die Voraussetzung für das Handeln. Wer erst entscheiden möchte, wenn Zweifel verschwunden sind, wartet möglicherweise auf einen Zustand, der nicht eintritt. Pfeifer lässt Zweifel, Angst und mögliche Rückschläge ausdrücklich zu. Sie gehören zur Lage, sollen aber nicht allein bestimmen, wie es weitergeht.
Diese Haltung verlangt zunächst, die Wirklichkeit anzuerkennen. Ein Problem verliert durch Zuversicht nicht seine Bedeutung. Die Frage verschiebt sich vielmehr dahin, was unter den vorhandenen Bedingungen verantwortbar möglich ist.
Verantwortung hat einen eigenen Zuständigkeitsbereich
Der Begriff Selbstverantwortung kann schnell wie eine Aufforderung klingen, jede Schwierigkeit aus eigener Kraft lösen zu müssen. Pfeifer zieht hier eine Grenze. In seinem Artikel über Verantwortung heißt es:
„Wer Verantwortung übernimmt, erkennt den eigenen Einfluss, ohne sich für alles verantwortlich zu machen.“
Diese Unterscheidung gibt seiner Vorstellung von Zuversicht eine praktische Richtung. Das eigene Denken, Entscheiden und Handeln lässt sich prüfen. Die Reaktionen anderer Menschen und sämtliche äußeren Bedingungen bleiben nur begrenzt beeinflussbar.
Verantwortung bedeutet für ihn außerdem, die Folgen einer Entscheidung mitzudenken. Es geht um den persönlichen Vorteil und um die Auswirkungen auf andere. So verbindet das Buch Selbstbestimmung mit Verbindlichkeit und Gemeinschaft.
Die Aufforderung zum Handeln bekommt dadurch einen Maßstab: Welcher Schritt liegt tatsächlich im eigenen Einflussbereich? Und kann man für ihn und seine Folgen einstehen?
Führung zeigt sich auch ohne Titel
Pfeifer beschränkt diese Fragen nicht auf Menschen mit Personalverantwortung. Ein eigener Artikel behandelt Führung „im Kleinen“. Gemeint sind Situationen, in denen jemand durch sein Verhalten Orientierung gibt: in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf oder im Verein.
Dazu zählt er Zuhören, Anerkennung und Ermutigung. Ebenso gehört die Bereitschaft dazu, Entscheidungen zu treffen und für das eigene Verhalten einzustehen.
Sein Gedanke reicht über die Wirkung einer einzelnen guten Geste hinaus. Glaubwürdigkeit entsteht in dieser Perspektive dort, wo Worte und Handlungen zusammenpassen. Wer Verlässlichkeit erwartet, muss sich auch am eigenen Umgang mit Zusagen messen lassen.
Die Arbeitsfragen des Kapitels lenken deshalb den Blick auf bereits vorhandenen Einfluss. Wo führt man im Kleinen? Was brauchen andere zur Orientierung? Und an welcher Stelle wäre ein klareres Verhalten hilfreich?
So wird Zuversicht zu einer Haltung mit sozialer Wirkung. Sie betrifft auch das Vertrauen, das andere aus einer verlässlichen Zusammenarbeit gewinnen können.
Ein Nein kann den gewählten Weg schützen
Zu einem verantwortlichen Umgang mit Möglichkeiten gehört für Pfeifer auch, sie begrenzen zu können. Im Artikel über das Nein-Sagen verbindet er Selbstbestimmung mit dem Schutz von Zeit, Kraft und persönlichen Werten.
Eine Forderung abzulehnen kann Überwindung kosten, besonders wenn Enttäuschung oder Konflikte zu erwarten sind. Trotzdem betrachtet er ein Nein als mögliche Konsequenz einer klaren Entscheidung.
Dabei behält er das Gegenüber im Blick:
„Verantwortliches Nein sagen achtet zugleich die Würde des anderen. Klarheit schließt Respekt nicht aus.“
Dieser Gedanke verbindet mehrere Themen des Buches. Würde setzt einen Maßstab für den Umgang miteinander. Freiheit ermöglicht eine eigene Entscheidung. Verantwortung verlangt, sie bewusst zu treffen und zu vertreten.
Zuversicht besteht dann auch darin, auf eine Möglichkeit zu verzichten, wenn sie vom gewählten Weg wegführen würde. Ein überzeugtes Handeln braucht nicht möglichst viele Zusagen, sondern eine erkennbare Richtung.
„Jetzt bin ich dran“ macht aus Lesen eine Entscheidung
Nach den Artikeln folgen Seiten, die zur persönlichen Auseinandersetzung einladen. Die wiederkehrende Überschrift „Jetzt bin ich dran“ markiert den Wechsel vom Gedanken zur Anwendung.
Beim Thema Zuversicht fragt Pfeifer nach der gegenwärtigen Situation, dem gewünschten Zustand und der eigenen Motivation. Anschließend geht es darum, was konkret getan werden kann und wer dabei unterstützen könnte.
Damit erhält Hilfe ausdrücklich einen Platz. Eigenverantwortung heißt in diesem Aufbau auch, Begleitung zu suchen und gemeinsame Möglichkeiten zu erkennen. Der nächste Schritt muss nicht allein gegangen werden.
Das Buch entfaltet diese Fragen über viele Lebensbereiche hinweg – von Kommunikation und Lernfähigkeit bis zu Führung und wirtschaftlicher Verantwortung. Die verbindende Idee bleibt, Haltung in Entscheidungen erkennbar werden zu lassen.
„Grundgesetz der Zuversicht“ bietet dafür keine Zusicherung eines bestimmten Ergebnisses. Es formuliert einen Anspruch an den eigenen Umgang mit einer offenen Zukunft: genau hinsehen, den verfügbaren Einfluss erkennen und einen verantwortbaren Schritt wählen. Der Ausgang bleibt ungewiss. Die eigene Entscheidung muss deshalb nicht ausbleiben.