Mach deine Geschichte zu ihrer Geschichte

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Mach deine Geschichte zu ihrer Geschichte
Foto: Mirjam Hagen

Storytelling in Vorträgen: Warum die besten Geschichten nicht nur von dir handeln – und wie du damit Menschen wirklich erreichst.

Stell dir vor, ich stehe auf einer Bühne und erzähle von meiner Reise nach Kapstadt.

Ich berichte von der Stadt, den Menschen, meinen Erlebnissen und davon, was ich alles gesehen habe. Vielleicht zeige ich noch ein paar beeindruckende Bilder.

Das kann interessant sein. Vielleicht sogar unterhaltsam.

Aber was hat das alles mit dir zu tun?

Jetzt könnte ich dieselbe Geschichte auch anders beginnen:

„Ich war gerade in Kapstadt. Und du kennst das doch bestimmt auch: Du kommst in eine fremde Stadt, kennst dich noch nicht aus und plötzlich ist alles neu. Du weißt nicht genau, was dich erwartet. Einerseits bist du neugierig, andererseits vielleicht auch ein bisschen unsicher. Erinnerst du dich noch daran, wann du dieses Gefühl zum letzten Mal hattest?“

Merkst du den Unterschied?

In beiden Fällen erzähle ich von meiner Reise nach Kapstadt. Doch während du im ersten Fall lediglich etwas über meine Erlebnisse erfährst, passiert im zweiten Fall etwas Entscheidendes: Du beginnst, an deine eigenen Erfahrungen zu denken.

Vielleicht an deinen letzten Urlaub. An deinen ersten Tag in einem neuen Job. Oder an einen Moment, in dem du deine gewohnte Umgebung verlassen hast.

Plötzlich geht es nicht mehr nur um meine Geschichte.

Es geht auch um deine.

Die beste Geschichte ist nicht die beeindruckendste

Aus über 1.500 Veranstaltungen, Seminaren und Beratungen weiß ich, wie entscheidend es ist, Menschen nicht nur mit Informationen zu versorgen, sondern sie wirklich zu erreichen.

Gerade bei Vorträgen beobachte ich immer wieder, dass Menschen glauben, sie müssten möglichst außergewöhnliche Geschichten erzählen, um ihr Publikum zu begeistern.

Die große Herausforderung. Der unglaubliche Erfolg. Die außergewöhnliche Begegnung.

Natürlich können solche Geschichten faszinieren. Aber eine beeindruckende Geschichte ist noch lange keine Geschichte, die Menschen wirklich berührt.

Entscheidend ist nicht nur, was du erlebt hast. Entscheidend ist, was deine Zuhörer darin wiedererkennen.

Denn vielleicht war noch nie jemand aus deinem Publikum in Kapstadt. Vielleicht hat noch niemand ein Unternehmen mit Millionenumsatz aufgebaut oder dieselbe Krise durchlebt wie du.

Aber fast jeder kennt das Gefühl, vor etwas Neuem zu stehen. Angst vor einer Entscheidung zu haben. Zu scheitern. Zu hoffen. Oder über sich hinauszuwachsen.

Die Erlebnisse unterscheiden sich. Die Gefühle dahinter verbinden uns.

Und genau dort beginnt für mich gutes Storytelling.

Warum das sogar wissenschaftlich Sinn ergibt

In der Psychologie gibt es einen interessanten Begriff: den sogenannten Self-Reference Effect.

Dahinter steckt eine Erkenntnis, die unter anderem durch Untersuchungen von Rogers, Kuiper und Kirker aus dem Jahr 1977 gestützt wird: Informationen können besonders gut im Gedächtnis bleiben, wenn wir sie mit uns selbst in Verbindung bringen.

Auch die Forschung zur sogenannten Narrative Transportation zeigt, dass Geschichten unsere Aufmerksamkeit, Vorstellungen und Gefühle so stark einnehmen können, dass sie unsere Einstellungen beeinflussen.

Für mich steckt darin eine wichtige Erkenntnis für jeden Vortrag:

Es reicht nicht, dass dein Publikum deine Geschichte versteht. Im besten Fall entdeckt es darin einen Teil seiner eigenen Geschichte.

Drei Dinge, die dein Storytelling sofort verändern können

1. Wechsle bewusst zwischen „Ich“ und „Du“

Natürlich darfst und sollst du von dir erzählen. Deine eigenen Erfahrungen machen deinen Vortrag persönlich und glaubwürdig.

Aber bleib nicht die ganze Zeit bei dir.

Baue immer wieder kleine Brücken zu deinem Publikum:

  • „Du kennst das doch bestimmt auch …“
  • „Erinnerst du dich noch an den Moment, als …?“
  • „Vielleicht warst du schon einmal in einer ähnlichen Situation …“
  • „Stell dir vor, du stehst plötzlich vor dieser Entscheidung …“


Solche Sätze laden deine Zuhörer dazu ein, eigene Erinnerungen und Vorstellungen mit deiner Geschichte zu verbinden.

Dabei geht es nicht darum, möglichst oft das Wort „Du“ zu verwenden. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln.

Erzähle deine Geschichte, aber denke dabei immer an die Geschichte deiner Zuhörer.

2. Erzähle nicht nur, was passiert ist, sondern wie es sich angefühlt hat

„Ich habe meinen ersten großen Vortrag gehalten.“

Das ist eine Information.

„Ich stand hinter der Bühne, hörte die Menschen im Saal und wusste: Gleich muss ich da raus. Vielleicht kennst du dieses Gefühl, wenn du etwas unbedingt willst und gleichzeitig am liebsten weglaufen würdest.“

Das ist eine Geschichte, in der sich andere wiederfinden können.

Dein Publikum muss nicht selbst auf einer großen Bühne gestanden haben, um Nervosität, Vorfreude oder Unsicherheit nachvollziehen zu können.

Beschreibe deshalb nicht nur die äußeren Ereignisse. Nimm deine Zuhörer mit in den entscheidenden Moment.

Was hast du gedacht? Was hast du gefühlt? Welche Entscheidung stand an?

Oft sind es genau diese kleinen, menschlichen Details, die eine große Geschichte erst nahbar machen.

3. Lass deinem Publikum Platz für die eigene Geschichte

Nicht jede Geschichte muss bis ins kleinste Detail auserzählt werden.

Manchmal ist eine einzige Frage wirkungsvoller als fünf weitere Sätze.

„Wann hast du dich zum letzten Mal etwas getraut, obwohl du Angst hattest?“

3Und dann: eine Pause.

Lass diese Frage wirken.

Denn während du schweigst, beginnt dein Publikum möglicherweise, seine ganz eigenen Antworten zu finden.

In meinen Augen ist das eine der spannendsten Möglichkeiten beim Storytelling: Du kannst mit deiner Geschichte einen Gedanken anstoßen, der bei jedem Menschen im Raum eine andere Erinnerung auslöst.

Und dafür brauchst du weder eine spektakuläre Lebensgeschichte noch eine perfekt inszenierte Bühnenshow.

Du musst nur verstehen, dass deine Geschichte nicht bei dir enden sollte.

Es geht nicht darum, dass die Menschen dich bewundern

Natürlich ist es schön, wenn nach einem Vortrag jemand zu dir kommt und sagt: „Was für eine beeindruckende Geschichte!“

Aber noch viel spannender finde ich einen anderen Satz:

„Als du das erzählt hast, musste ich sofort an eine Situation in meinem eigenen Leben denken.“

Denn dann hat deine Geschichte etwas ausgelöst, das weit über deinen Vortrag hinausgeht.

Vielleicht denkt dieser Mensch über eine Entscheidung nach. Vielleicht betrachtet er eine Erfahrung plötzlich anders. Vielleicht nimmt er einen Gedanken mit, der ihn noch lange begleitet.

Und genau darum sollte es für mich auf einer Bühne gehen.

Nicht nur darum, dass Menschen erfahren, was du erlebt hast.

Sondern darum, dass sie durch deine Geschichte etwas über sich selbst entdecken.

Mach deine Geschichte zu ihrer Geschichte.

Denn am Ende erinnern sich Menschen nicht nur daran, was du erzählt hast. Sondern vor allem daran, was deine Geschichte in ihnen ausgelöst hat.

Josua Laufer

Der Personal Brand Magier

Josua Laufer