Selbstführung als Wirtschaftsfaktor: Warum innere Klarheit über den Unternehmenserfolg mitentscheidet

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Selbstführung als Wirtschaftsfaktor: Warum innere Klarheit über den Unternehmenserfolg mitentscheidet
Foto: Justin Bockey

Stressige Situationen gehören für Führungskräfte, Unternehmerinnen und Unternehmer zum beruflichen Alltag. Entscheidungen müssen getroffen werden, obwohl gleichzeitig das Telefon klingelt, E-Mails eintreffen, Mitarbeitende Antworten erwarten und der nächste Termin bereits beginnt. Gerade dann zeigt sich, wie gut die eigene Selbstführung tatsächlich funktioniert.

Für Anke Starke, Expertin für Selbstführung, ist dabei ein Gedanke besonders wichtig: Selbstführung ist keine Charakterfrage, sondern eine Kompetenz. Und Kompetenzen können erlernt und trainiert werden.

Das ist nicht nur für die einzelne Person relevant. Fehlender Fokus, dauerhafter Stress und psychische Belastungen können erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen haben. Gute Selbstführung wird damit zu einem Faktor, der weit über das persönliche Wohlbefinden hinausgeht.

Was bedeutet Selbstführung?

Anke Starke versteht unter Selbstführung die Fähigkeit, auch in stressigen Situationen klar denken, sicher handeln und Entscheidungen treffen zu können.

Entscheidend ist dabei nicht, sämtliche äußeren Störungen zu vermeiden. Das dürfte im Berufsalltag ohnehin kaum möglich sein. Vielmehr geht es darum, trotz dieser Einflüsse handlungsfähig zu bleiben.

Gerade Menschen mit Führungsverantwortung stehen regelmäßig vor dieser Herausforderung. Sie sollen Orientierung vermitteln und Entscheidungen treffen, während möglicherweise an mehreren Stellen gleichzeitig Probleme auftreten.

Genau an diesem Punkt setzt Selbstführung an: Nicht das Umfeld muss zunächst perfekt werden. Die Person lernt vielmehr, ihren eigenen Zustand so zu regulieren, dass sie mit den Anforderungen besser umgehen kann.

Warum Selbstführung für Unternehmen zum Wirtschaftsfaktor wird

Stress ist längst nicht mehr ausschließlich ein persönliches Thema. Werden Belastungen dauerhaft zu groß, können daraus längere Ausfallzeiten entstehen.

Anke Starke verweist in diesem Zusammenhang auf Zahlen der betrieblichen Krankenkassen und auf die zunehmende Bedeutung psychischer Belastungen. Während beispielsweise eine gewöhnliche Erkältung häufig nach einigen Tagen überstanden ist, können stressbedingte beziehungsweise psychische Beeinträchtigungen zu wesentlich längeren Ausfallzeiten führen.

Für Unternehmen entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Einerseits fehlt die betroffene Person über einen längeren Zeitraum. Andererseits müssen Aufgaben und Verantwortung innerhalb des Unternehmens aufgefangen werden. Besonders bei Führungskräften kann das weitreichende Auswirkungen auf Teams und Arbeitsabläufe haben.

Selbstführung sollte deshalb nicht erst dann zum Thema werden, wenn die Belastungsgrenze bereits erreicht ist.

Selbstführung ist trainierbar

Eine der wichtigsten Aussagen von Anke Starke lautet: Selbstführung ist keine Charakterfrage, sondern eine Kompetenz.

Damit verändert sich auch der Blick auf Stressresistenz und innere Klarheit. Manche Menschen wirken zwar von Natur aus gelassener als andere. Trotzdem bedeutet das nicht, dass ein souveräner Umgang mit Belastungen ausschließlich eine Frage der Persönlichkeit ist.

Selbstführung lässt sich Schritt für Schritt trainieren.

Anke Starke arbeitet dafür mit einfachen Werkzeugen, die Menschen im entscheidenden Moment tatsächlich einsetzen können. Welches Instrument geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, wie hoch das aktuelle Stresslevel bereits ist.

Mit der richtigen Atmung den Stress regulieren

Ein Ansatzpunkt ist die bewusste Atmung. Bei einem mittleren Stresslevel arbeitet Anke Starke beispielsweise mit einer gleichmäßigen Kohärenzatmung.

Dabei wird vier Einheiten lang eingeatmet und anschließend vier Einheiten lang ausgeatmet.

Bei akutem Stress kommen andere Atemtechniken infrage. Als Beispiel nennt sie die 4-7-8-Atmung:

  • vier Einheiten einatmen,
  • sieben Einheiten den Atem halten,
  • acht Einheiten ausatmen.


Der entscheidende Vorteil solcher Methoden liegt für sie in ihrer praktischen Anwendbarkeit. Führungskräfte benötigen schließlich Werkzeuge, die nicht erst nach langer Vorbereitung funktionieren, sondern in einer konkreten Belastungssituation verfügbar sind.

Selbstführung findet damit nicht nur in Seminaren oder theoretischen Modellen statt. Sie muss sich genau in den Situationen bewähren, in denen der Druck steigt.

Warum Multitasking der Selbstführung im Weg stehen kann

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Umgang mit Aufmerksamkeit.

Im modernen Arbeitsalltag gehört Multitasking für viele Menschen scheinbar selbstverständlich dazu. Während eine Aufgabe bearbeitet wird, trifft eine E-Mail ein. Anschließend klingelt das Telefon, eine Kollegin hat eine Frage und parallel erscheint die nächste Nachricht auf dem Bildschirm.

Anke Starke stellt diesem Arbeitsstil bewusst das Prinzip des Monotaskings gegenüber.

Denn jede Unterbrechung kann den Fokus beeinträchtigen. Im Interview verweist sie darauf, dass es nach einer Unterbrechung bis zu 23 Minuten dauern kann, wieder vollständig in eine fokussierte Tätigkeit zurückzufinden.

Für Führungskräfte ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz: Selbstführung bedeutet auch, Rahmenbedingungen für konzentriertes Arbeiten zu schaffen.

Wer permanent auf äußere Impulse reagiert, führt irgendwann möglicherweise nicht mehr selbst, sondern wird von eingehenden Anforderungen geführt.

Klarheit schafft bessere Voraussetzungen für Entscheidungen

Gerade in Führungspositionen ist Fokus entscheidend. Schließlich haben Entscheidungen häufig nicht nur Auswirkungen auf die eigene Arbeit, sondern auf Mitarbeitende, Projekte oder das gesamte Unternehmen.

Selbstführung bedeutet deshalb auch, zwischen einem äußeren Reiz und der eigenen Reaktion wieder Handlungsspielraum entstehen zu lassen.

Eine kurze Atemtechnik löst selbstverständlich nicht jedes unternehmerische Problem. Sie kann jedoch dabei helfen, den eigenen Stresszustand zu regulieren und wieder klarer auf eine Situation zu schauen.

Damit wird verständlich, warum Anke Starke Selbstführung als Kompetenz betrachtet: Die entscheidenden Techniken müssen gelernt, wiederholt und so trainiert werden, dass sie im richtigen Moment abrufbar sind.

Selbstführung muss im entscheidenden Moment funktionieren

Anke Starke beschäftigt sich bereits seit 2011 mit diesem Themenfeld und hat unter anderem im schulischen Umfeld Gesundheitstage organisiert und als Referentin gearbeitet.

Gerade die Arbeit vor einer Klasse verdeutlicht für sie, wie wichtig unmittelbare Selbstführung sein kann. Wer vor einer Gruppe steht, muss präsent bleiben und häufig sofort reagieren. Es bleibt nicht immer die Zeit, sich zurückzuziehen und lange über die optimale Reaktion nachzudenken.

Ein ähnliches Prinzip gilt in Unternehmen.

Führungskräfte müssen Gespräche führen, Konflikte begleiten, Entscheidungen treffen und auch in angespannten Situationen Orientierung geben. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob jemand Methoden zur Stressregulation kennt.

Entscheidend ist, ob diese Methoden dann verfügbar sind, wenn es darauf ankommt.

Gute Führung beginnt bei der eigenen Führung

Unternehmen investieren viel Zeit in Strategien, Prozesse, Technologien und die Entwicklung ihrer Mitarbeitenden. Die Fähigkeit zur Selbstführung verdient dabei ebenfalls Aufmerksamkeit.

Denn eine Führungskraft, die unter hoher Belastung nicht mehr klar denken oder fokussiert entscheiden kann, wird langfristig Schwierigkeiten haben, anderen Menschen Sicherheit und Orientierung zu vermitteln.

Selbstführung beginnt deshalb bei der Wahrnehmung des eigenen Zustands und setzt sich in konkreten Verhaltensweisen fort: Stress erkennen, den eigenen Zustand regulieren, Ablenkungen reduzieren und konzentriert bei einer Aufgabe bleiben.

Genau darin liegt auch der wirtschaftliche Aspekt. Selbstführung kann dazu beitragen, einen professionelleren Umgang mit Belastung im Arbeitsalltag zu entwickeln, bevor dauerhafter Stress zu einem größeren Problem wird.

Fazit: Selbstführung ist eine Kompetenz mit Wirkung

Selbstführung bedeutet nicht, niemals gestresst zu sein. Sie bedeutet vielmehr, auch unter Druck Zugriff auf die eigenen Fähigkeiten zu behalten.

Für Anke Starke lässt sich genau das trainieren. Atemtechniken, ein bewusster Umgang mit dem eigenen Stresslevel und mehr Monotasking statt permanentem Multitasking sind einfache Ansätze, die sich in den Berufsalltag integrieren lassen.

Gerade für Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte kann diese Fähigkeit eine besondere Bedeutung bekommen. Wer sich selbst auch in anspruchsvollen Situationen führen kann, schafft bessere Voraussetzungen dafür, klar zu entscheiden, präsent zu bleiben und Verantwortung für andere zu übernehmen.

Damit wird Selbstführung von einer vermeintlich persönlichen Eigenschaft zu einer unternehmerisch relevanten Kompetenz.

Anke Starke

Selbstführung | Stresskompetenz | Innere Stärke

Themen

Bildung , Gesundheit , Mindset , Persoenlichkeitsentwicklung

Anke Starke