Cashflow mit Aktienoptionen: 5 Fehler, die Anleger vermeiden sollten
Kevin Wehner
Regelmäßige Einnahmen an der Börse erzielen, ohne ständig Aktien kaufen und verkaufen zu müssen? Die meisten Anleger kennen dafür hauptsächlich Kurssteigerungen oder Dividenden. Doch es gibt eine weitere Möglichkeit, Einnahmen aus dem eigenen Depot zu generieren: den Verkauf von Aktienoptionen, auch Stillhaltergeschäft genannt.
Dabei können Anleger sogenannte Optionsprämien vereinnahmen – unabhängig davon, ob eine Aktie anschließend steigt, fällt oder seitwärts läuft. Klingt erstmal zu gut, um wahr zu sein. Entscheidend für den Erfolg ist die richtige Umsetzung. Denn hinter attraktiven Prämien verbergen sich häufig unterschätzte Risiken.
Wer langfristig Cashflow mit Aktienoptionen erzielen möchte, sollte deshalb wissen, welche Fehler es zu vermeiden gilt.
Was bedeutet Cashflow mit Aktienoptionen?
Während klassische Aktienanleger auf Kursgewinne und Dividenden setzen, können Optionsverkäufer bereits beim Abschluss eines Optionsgeschäfts eine Prämie erhalten.
Das Grundprinzip: Wer eine Option verkauft, übernimmt gegenüber dem Käufer der Option auf der anderen Seite eine Verpflichtung und erhält dafür eine Optionsprämie.
Besonders interessant sind zwei grundlegende Strategien:
Cash Secured Puts: Ein Anleger verkauft eine Put-Option auf eine Aktie, die er grundsätzlich gerne besitzen möchte. Dafür erhält er sofort eine Optionsprämie, da er sich im Gegenzug verpflichtet pro Optionskontrakt 100 Aktien über die Laufzeit (z.B. 14 Tage) der Option zum vereinbarten Basispreis (Strike) zu kaufen. Dieser Basispreis liegt unter dem aktuellen Kurs, sodass der Anleger die Aktien wenn dann günstiger kauft, als aktuell am Markt. Das erforderliche Kapital für den Aktienkauf wird vollständig vorgehalten. Zur Pflicht, die Aktien zu kaufen, kommt es nur, wenn die Aktie unter den vereinbarten Basispreis fällt. Die Optionsprämie behält der Anleger in allen Fällen, egal wie sich die Aktie entwickelt.
Covered Calls: Ein Anleger besitzt bereits 100 Aktien eines Unternehmens und verkauft darauf eine Call-Option. Dafür erhält er sofort eine Optionsprämie und verpflichtet sich im Gegenzug, seine Aktien über die Laufzeit zum Basispreis (Strike) zu verkaufen. Dieser Strike liegt über dem aktuellen Kurs, sodass die Aktien wenn überhaupt nur teurer als aktuell verkauft werden. Zu dieser Verkaufspflicht kommt es nur, wenn die Aktie über den Basispreis steigt, die Optionsprämie behält der Anleger in allen Fällen, unabhängig von der Aktienbewegung.
Warum sind hohe Optionsprämien nicht automatisch ein gutes Geschäft?
Die Höhe einer Optionsprämie hängt unter anderem vom Aktienkurs, der Laufzeit, dem Strike und der erwarteten Schwankungsbreite der Aktie ab.
Besonders die sogenannte implizite Volatilität spielt eine wichtige Rolle. Sie beschreibt vereinfacht, welche zukünftigen Kursschwankungen der Markt für die betreffende Aktie erwartet und preist dem entsprechend auch die Optionen ein. Je höher diese erwarteten Schwankungen ausfallen, desto teurer die Optionen.
Für Optionsverkäufer klingt das attraktiv: Höhere Optionspreise bedeuten höhere Prämieneinnahmen. Doch genau hier entsteht ein Denkfehler. Eine hohe Optionsprämie ist kein Geschenk des Marktes. Sie kann vielmehr auf erhebliche Unsicherheit bezüglich eines Unternehmens hinweisen.
Deshalb lohnt es sich, fünf typische Fehler beim Verkauf von Aktienoptionen genauer zu betrachten.
Welche 5 Fehler sollten Anleger beim Optionshandel vermeiden?
1. Fehler - Aktien ausschließlich anhand der Optionsprämie auswählen
Eine Aktie bietet innerhalb von zwei Wochen eine Optionsprämie von fünf Prozent, während ein anderes Unternehmen lediglich ein Prozent Prämie ermöglicht. Welche Aktie ist attraktiver?
Viele Anleger würden sich spontan für die höhere Prämie entscheiden.
Doch besonders hohe Optionsprämien finden sich häufig bei Unternehmen, deren Aktien stark schwanken oder bei denen erhebliche Unsicherheiten bestehen.
Wer einen Cash Secured Put verkauft, muss damit rechnen, die entsprechenden Aktien bei einer Zuteilung tatsächlich ins Depot übernehmen zu müssen. Fällt der Aktienkurs anschließend deutlich, kann der Kursverlust die zuvor vereinnahmte Prämie um ein Vielfaches übersteigen.
Die bessere Vorgehensweise: Zunächst sollte das Unternehmen selbst überzeugen. Eine fundierte Aktienauswahl berücksichtigt beispielsweise Geschäftsmodell, Umsatzentwicklung, Profitabilität, Verschuldung und Bewertung.
Erst wenn ein Unternehmen grundsätzlich als langfristiges Investment infrage kommt, sollte geprüft werden, ob sich darauf attraktive Optionsgeschäfte umsetzen lassen. Anleger sollten es sich zur Grundregel machen, nur Put Optionen auf Aktien zu verkaufen, die sie auch bedenkenlos ins Depot nehmen würden.
2. Fehler - Den nächsten Earnings-Termin ignorieren
Ein häufiger Fehler besteht darin, Optionen zu verkaufen, ohne den nächsten Veröffentlichungstermin der Quartalszahlen zu berücksichtigen.
Diese sogenannten Earnings gehören zu den wichtigsten Ereignissen des Börsenjahres. Mit der Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen und Prognosen können sich die Erwartungen der Marktteilnehmer erheblich verändern. Kursbewegungen von fünf, zehn oder sogar mehr Prozent sind bei einzelnen Unternehmen möglich.
Vor solchen Terminen steigt dann auch die implizite Volatilität und damit die Optionsprämie stark an.
Für unerfahrene Optionsverkäufer entsteht dadurch eine verlockende Situation: Die Prämien erscheinen attraktiv, während das bevorstehende Ereignis möglicherweise übersehen wird.
Die bessere Vorgehensweise: Vor jedem Optionsgeschäft sollte geprüft werden, ob innerhalb der geplanten Laufzeit Quartalszahlen oder andere bedeutende Unternehmensereignisse anstehen.
Gerade bei Cash Secured Puts ist die Empfehlung, diese Termine bewusst zu vermeiden und keine Optionen mit Laufzeit über die Earnings zu handeln.
3. Fehler - Den Strike ohne festes Regelwerk auswählen
Der Strike, auch Basispreis genannt, ist einer der wichtigsten Parameter beim Optionshandel. Er legt fest, zu welchem Preis Aktien bei einer möglichen Zuteilung der Option gekauft (beim Put) oder verkauft (beim Call) werden müssen.
Trotzdem wählen viele Anleger ihren Strike hauptsächlich nach Gefühl oder anhand der angebotenen Optionsprämie.
Ein Beispiel: Eine Aktie notiert bei $100. Ein Anleger könnte einen Put mit einem Strike von $95 oder alternativ mit einem Strike von $85 verkaufen.
Der höhere Strike bietet normalerweise eine höhere Prämie. Gleichzeitig ist jedoch auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Option am Laufzeitende zugeteilt wird und die Aktien gekauft werden müssen.
Der niedrigere Strike bietet mehr Abstand zum aktuellen Aktienkurs, dafür fällt die Prämie geringer aus.
Die bessere Vorgehensweise: Anleger sollten ein klares Regelwerk definieren, nach dem der Strike ausgewählt wird.
Eine mögliche Orientierung bietet das sogenannte Delta einer Option. Es wird als grobe Orientierung für die Wahrscheinlichkeit genutzt, dass eine Option am Laufzeitende zugeteilt wird.
Wer beispielsweise grundsätzlich Puts mit einem absoluten Delta von ungefähr 0,20 verkauft, folgt einem nachvollziehbareren Auswahlprozess als jemand, der bei jeder Option einfach spontan entscheidet.
4. Fehler - Durch Margin unnötige Hebelrisiken eingehen
Beim Optionshandel besteht häufig die Möglichkeit, Positionen auf Margin zu eröffnen. Das bedeutet, der Broker verlangt lediglich eine Sicherheitsleistung, statt dem Kapital, das z.B. nötig wäre beim Put die Aktien bei Zuteilung zu kaufen.
Diese Margin Nutzung ermöglicht es, mit vergleichsweise wenig gebundenem Kapital größere Positionen einzugehen. Genau darin liegt jedoch eine erhebliche Gefahr.
Wer die verfügbare Margin vollständig ausnutzt, kann Verpflichtungen eingehen, die das vorhandene Kapital deutlich übersteigen. Wer zum Beispiel eine Put Option mit Strike $100 verkauft, verpflichtet sich 100 Aktien zu je $100 zu kaufen, sollte die Option zugeteilt werden, was $10.000 Kapital benötigen würde. Hinterlegt der Anleger beispielsweise lediglich $ 3.000 als Sicherheitsleistung, obwohl er bei einer Zuteilung Aktien im Wert von $10.000 kaufen müsste, entsteht eine erhebliche Finanzierungslücke und somit ein Hebel in der Position.
Im schlimmsten Fall droht dann eine automatische Liquidation von Positionen durch den Broker. Dabei muss der Optionshandel gar nicht mit einem solchen Hebel betrieben werden.
Die bessere Vorgehensweise: Gerade für Einsteiger bieten sich vollständig kapitalgedeckte Strategien an.
Bei einem Cash Secured Put wird ausreichend Geld vorgehalten, um bei einer Zuteilung sämtliche Aktien zum vereinbarten Strike kaufen zu können.
Bei einem Covered Call befinden sich die entsprechenden Aktien bereits im Depot und könnten bei Zuteilung einfach verkauft werden.
Damit lassen sich zusätzliche, nicht gedeckte Aktienverpflichtungen vermeiden. So ist ein Handel mit Optionen möglich, der maximal das gleiche Risiko wie normaler Aktienhandel umfasst.
5. Fehler - Ohne festen Handelsplan und Risikomanagement handeln
Selbst eine sorgfältige Aktienauswahl und ein systematischer Strike reichen nicht aus, wenn ein übergeordneter Handelsplan fehlt.
Denn Optionshandel besteht nicht nur aus dem Eröffnen einzelner Positionen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Anleger mit unterschiedlichen Marktentwicklungen umgehen.
Was passiert, wenn eine Aktie stark fällt? Wann wird eine Option vorzeitig geschlossen? Wie viel Kapital darf auf ein einzelnes Unternehmen entfallen?
Wer diese Fragen erst beantworten muss, wenn sich eine Position bereits deutlich gegen ihn entwickelt hat, trifft Entscheidungen häufig unter emotionalem Druck.
Die bessere Vorgehensweise: Ein Handelsplan sollte mindestens die Auswahl geeigneter Aktien, die eingesetzten Optionsstrategien, Positionsgrößen und den Umgang mit Verlustpositionen regeln.
Anleger sollten beispielsweise festlegen, wie viel ihres Depotkapitals maximal auf einen einzelnen Basiswert entfallen darf und welche Gesamtverpflichtungen sie eingehen möchten.
Ein Handelsplan verhindert keine Verluste, er trägt aber dazu bei, Risiken bewusster zu steuern und impulsive Entscheidungen zu reduzieren.
Welche weiteren Möglichkeiten bieten Aktienoptionen?
Zu Beginn konzentrieren sich Anleger meist auf die oben beschriebenen Strategien Cash Secured Put und Covered Call. So lassen sich Optionsprämien generieren, rein für die Bereitschaft, Aktien zum günstigeren Preis zu kaufen oder auch zum teureren Preis zu verkaufen.
Doch hier endet der Optionshandel bei Weitem nicht. Es lassen sich zum Beispiel mehrere Optionen zu beliebigen Strategien kombinieren, um den nötigen Kapitaleinsatz zu reduzieren oder von verschiedenen Marktrichtungen profitieren zu können (auch fallender Markt).
Zusätzlich können bestehende Aktien oder ETF-Depots mit Optionen gegen fallende Kurse abgesichert werden, ähnlich dem Kauf einer Versicherung.
Der Optionshandel wird so zum Allround-Werkzeugkasten für den gesamten Handel an der Börse.
Für wen eignen sich Aktienoptionen als zusätzliche Einnahmequelle?
Aktienoptionen sind besonders interessant für Anleger, die bereits über ein Aktiendepot verfügen und sich intensiver mit ihren Investments beschäftigen möchten.
Wer bereit ist, sich mit Unternehmensbewertungen, Optionskennzahlen und Risikomanagement auseinanderzusetzen, kann durch den systematischen Verkauf von Optionen zusätzliche Handlungsmöglichkeiten gewinnen. Dafür sollte der Anleger 1-2 Stunden Zeitaufwand pro Woche aufbringen können.
Dabei ist es nicht erforderlich, mit hohen Hebeln oder besonders spekulativen Strategien zu arbeiten. Vor allem vollständig kapitalgedeckte Cash Secured Puts und Covered Calls können Bestandteil einer langfristig orientierten Anlagestrategie sein.
Natürlich erfordert der Optionshandel Fachwissen und entsprechendes Investitions-Kapital. Die Empfehlung für jeden Anleger ist es, den Optionshandel erst einmal im simulierten Handel in einem Demo-Depot zu trainieren und erst anschließend in den Echtgeldhandel zu überführen.
Fazit:
Wer Cashflow mit Aktienoptionen erzielen möchte, sollte nicht die höchste Optionsprämie zum wichtigsten Entscheidungskriterium machen.
Entscheidend sind vielmehr qualitativ geeignete Unternehmen, die Berücksichtigung wichtiger Ereignisse, eine systematische Strike-Auswahl und ein konsequentes Risikomanagement.
Denn langfristiger Anlageerfolg entsteht nicht allein dadurch, möglichst viele Prämien zu vereinnahmen, sondern dadurch, die damit verbundenen Risiken zu verstehen, kontrolliert einzugehen und so auf Dauer Vermögen aufzubauen oder auch laufenden Cashflow aus dem Depot zu generieren.