Regenerative Landwirtschaft: Warum Herbert Zetner warnt, dass wir trotz voller Teller verhungern könnten
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Inhaltsverzeichnis
- Warum volle Teller nicht automatisch gesunde Ernährung bedeuten
- Was regenerative Landwirtschaft wirklich bedeutet
- Warum unsere Böden ihre Fruchtbarkeit verlieren
- Bodenaufbau statt Bodenzerstörung
- Warum Unkraut oft ein wichtiger Hinweis der Natur ist
- Nährstoffreiche Lebensmittel beginnen im Boden
- Fazit: Gesunde Böden sind die Grundlage unserer Zukunft
Warum volle Teller nicht automatisch gesunde Ernährung bedeuten
„Wir werden von den vollen Tellern verhungern.“
Mit dieser provokanten Aussage bringt Herbert Zetner ein Problem auf den Punkt, das viele Menschen kaum wahrnehmen. Zwar sind Supermarktregale und Esstische heute meist gut gefüllt, doch die Qualität unserer Lebensmittel hängt von einer Ressource ab, die zunehmend unter Druck gerät: dem Boden.
Nach Ansicht des regenerativen Landwirts entscheidet nicht allein die Menge der Ernte über unsere Ernährung, sondern vor allem deren Nährstoffgehalt. Sind Böden ausgelaugt und verlieren sie ihre natürliche Struktur, sinkt langfristig auch die Qualität der darauf angebauten Lebensmittel.
Genau hier setzt die regenerative Landwirtschaft an.
Was regenerative Landwirtschaft wirklich bedeutet
Regenerativ bedeutet, natürliche Prozesse wiederherzustellen.
Für Herbert Zetner steht dabei nicht der maximale kurzfristige Ertrag im Mittelpunkt, sondern der langfristige Aufbau gesunder Böden. Ziel ist es, den Boden wieder so zu entwickeln, dass er Wasser speichern, Pflanzen optimal versorgen und ein aktives Bodenleben ermöglichen kann.
Ein gesunder Boden zeichnet sich durch mehrere Eigenschaften aus:
- eine stabile Bodenstruktur
- intensive Durchwurzelung
- aktives Bodenleben
- ausgewogene Nährstoffversorgung
- hohe Wasserspeicherfähigkeit
Dabei spielt die regelmäßige Bodenanalyse eine entscheidende Rolle. Ähnlich wie ein Blutbild beim Menschen liefert sie wichtige Informationen über Spurenelemente und Nährstoffverhältnisse. Nur wenn Defizite erkannt werden, können sie gezielt ausgeglichen werden.
Warum unsere Böden ihre Fruchtbarkeit verlieren
Nach Herbert Zetner liegt eine der größten Herausforderungen in der intensiven Bodenbearbeitung.
Häufiges Pflügen, Grubbern oder mehrfaches Umwälzen des Bodens zerstören langfristig dessen natürliche Struktur. Der Humus wird schneller abgebaut, wertvolle Bodenorganismen verlieren ihren Lebensraum und der Boden wird anfälliger für Erosion.
Die Folgen zeigen sich deutlich:
- Wind trägt fruchtbaren Humus ab.
- Starke Regenfälle schwemmen wertvollen Oberboden weg.
- Die Wasserspeicherung nimmt ab.
- Pflanzen geraten schneller unter Trockenstress.
- Die Nährstoffversorgung verschlechtert sich.
Gerade in trockenen Regionen wie dem niederösterreichischen Weinviertel wird diese Entwicklung zunehmend sichtbar.
Bodenaufbau statt Bodenzerstörung
Die regenerative Landwirtschaft verfolgt einen völlig anderen Ansatz.
Anstatt den Boden ständig zu bearbeiten, bleibt er möglichst dauerhaft begrünt. Wurzeln übernehmen dabei eine zentrale Aufgabe.
Herbert Zetner beschreibt diesen Zusammenhang treffend:
Die Wurzeln von heute sind der Humus von morgen.
Durchwurzelte Böden versorgen Milliarden von Mikroorganismen mit Nahrung. Diese Mikroorganismen wiederum machen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar und sorgen für eine stabile Bodenstruktur.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
Den Boden möglichst wenig bearbeiten
Jede unnötige Bodenbearbeitung stört das natürliche Bodenleben. Deshalb wird nur gelockert, wenn tatsächlich Verdichtungen vorhanden sind.
Dauerhafte Begrünung
Nach Möglichkeit bleibt der Boden ganzjährig bewachsen. Selbst während eine Kultur noch wächst, entwickeln sich bereits Untersaaten für die nächste Vegetationsperiode.
Dadurch bleibt der Boden ständig belebt und geschützt.
Doppelfrucht-Systeme nutzen
Herbert Zetner setzt beispielsweise auf Kombinationen wie Leindotter und Luzerne.
Während der Leindotter geerntet wird, wächst die Luzerne weiter und schützt den Boden über den Winter. Gleichzeitig versorgt sie das Bodenleben kontinuierlich mit organischer Substanz.
Warum Unkraut oft ein wichtiger Hinweis der Natur ist
Ein besonders spannender Gedanke der regenerativen Landwirtschaft betrifft den Umgang mit sogenannten Unkräutern.
Während in der konventionellen Landwirtschaft häufig vom "Unkraut" gesprochen wird und im ökologischen Landbau eher von "Beikraut", verwendet Herbert Zetner einen völlig anderen Begriff: Heilkraut.
Seiner Auffassung nach wachsen bestimmte Pflanzen nicht zufällig an einem Standort. Sie übernehmen vielmehr wichtige Aufgaben im Boden.
Beispielsweise können Disteln dazu beitragen, verdichtete Böden zu lockern oder Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten nach oben zu transportieren.
Statt Pflanzen ausschließlich zu bekämpfen, lohnt es sich deshalb, ihre Funktion innerhalb des gesamten Ökosystems zu verstehen.
Nährstoffreiche Lebensmittel beginnen im Boden
Gesunde Böden führen langfristig zu gesünderen Pflanzen.
Werden Nährstoffverhältnisse im Boden ausgeglichen und das Bodenleben gefördert, steigt nach Aussage Herbert Zetners auch die Qualität der erzeugten Lebensmittel.
Auf seinem Betrieb entstehen unter anderem:
- Haferflocken
- Hirse
- Kichererbsen
- Kidneybohnen
- Beluga-Linsen
- Emmer und Dinkel
- Roggen
- Khorasan-Weizen (Urweizen)
- Sonnenblumen
- kaltgepresste Öle wie Leindotteröl und Leinöl
Besonders Hülsenfrüchte sowie hochwertige Pflanzenöle liefern wertvolle Spurenelemente und ungesättigte Fettsäuren und sind Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.
Ein Umdenken beginnt im Kopf
Warum arbeiten dennoch nicht deutlich mehr Betriebe nach regenerativen Prinzipien?
Nach Herbert Zetner braucht es vor allem ein neues Verständnis von Landwirtschaft.
Viele landwirtschaftliche Systeme seien über Jahrzehnte vom Gedanken des Bekämpfens geprägt worden. Die regenerative Landwirtschaft setzt stattdessen auf Beobachtung, Verständnis und Zusammenarbeit mit natürlichen Prozessen.
Kurzfristig können während der Umstellung geringere Erträge auftreten. Nach einigen Jahren entwickeln sich jedoch stabile Erträge, selbst unter trockenen Bedingungen. Gleichzeitig verbessert sich die Widerstandsfähigkeit der Böden gegenüber Wetterextremen.
Fazit: Gesunde Böden sind die Grundlage unserer Zukunft
Die Aussage „Wir werden von den vollen Tellern verhungern“ wirkt zunächst drastisch. Betrachtet man jedoch den Zustand vieler landwirtschaftlicher Böden, erhält sie eine tiefere Bedeutung.
Regenerative Landwirtschaft verfolgt das Ziel, Bodenfruchtbarkeit langfristig wiederherzustellen. Dauerhafte Begrünung, schonende Bodenbearbeitung und der Aufbau eines aktiven Bodenlebens schaffen die Grundlage für widerstandsfähige Pflanzen und nährstoffreichere Lebensmittel.
Herbert Zetner zeigt, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht nur Umwelt- und Klimaschutz bedeutet, sondern unmittelbar unsere Ernährungssicherheit betrifft. Denn letztlich beginnt jede gesunde Mahlzeit mit einem gesunden Boden.