Werte führen, Erfolge folgen: Dirk Jesske über erfolgreiche Führung und echte Unternehmenskultur

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Werte führen, Erfolge folgen: Dirk Jesske über erfolgreiche Führung und echte Unternehmenskultur
Foto: Justin Bockey

Was macht erfolgreiche Führung wirklich aus? Geht es darum, Unternehmen schneller wachsen zu lassen, Renditen zu steigern und Jahr für Jahr bessere Ergebnisse zu erzielen? Oder beginnt nachhaltiger Erfolg an einer ganz anderen Stelle?

Für Dirk Jesske liegt die Antwort heute klar auf der Hand: Erfolgreiche Führung beginnt mit den Werten eines Unternehmens und der Menschen, die es prägen. Nach mehr als 20 Jahren Führungserfahrung in unterschiedlichen Unternehmensstrukturen hat er selbst erlebt, dass die ausschließliche Konzentration auf Wachstum und Profit langfristig an Grenzen stoßen kann.

Sein Ansatz lässt sich in einem prägnanten Satz zusammenfassen: „Werte führen, Erfolge folgen.“

Doch was bedeutet werteorientierte Führung im Unternehmensalltag? Und wie können aus zunächst abstrakt wirkenden Begriffen konkrete Leitlinien für Führungskräfte und Mitarbeitende werden?

Was bedeutet erfolgreiche Führung?

Lange Zeit verband Dirk Jesske erfolgreiche Führung vor allem mit klassischem unternehmerischem Wachstum: schneller, höher, weiter. Profitables Wachstum und Rendite bestimmten seinen Blick auf Erfolg.

Diese Perspektive veränderte sich jedoch durch seine eigenen Erfahrungen grundlegend.

Heute versteht er Führung umfassender. Eine Führungskraft soll Menschen Orientierung geben, Sicherheit vermitteln und eine gemeinsame Ausrichtung schaffen. Statt sich vor allem darauf zu konzentrieren, was Menschen voneinander unterscheidet, rückt damit die Frage in den Vordergrund, was sie miteinander verbindet.

Das bedeutet nicht, dass wirtschaftlicher Erfolg unwichtig wird. Ganz im Gegenteil: Ein Unternehmen muss wirtschaftlich funktionieren, um langfristig bestehen, Arbeitsplätze sichern und sich weiterentwickeln zu können.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Reihenfolge.

Nicht der wirtschaftliche Erfolg soll die Unternehmenskultur bestimmen. Eine starke, gemeinsam gelebte Wertebasis soll vielmehr die Grundlage schaffen, aus der nachhaltiger Erfolg entstehen kann.

Wertebasierte Führung: Erfolg als logische Konsequenz

Wer nur auf Kennzahlen schaut, übersieht schnell einen entscheidenden Faktor: Unternehmen bestehen aus Menschen.

Menschen müssen verstehen, wohin sich ein Unternehmen entwickeln möchte. Sie brauchen Orientierung und müssen erkennen können, welche Prinzipien hinter Entscheidungen stehen. Genau an dieser Stelle gewinnen gemeinsame Werte ihre Bedeutung.

Für Dirk Jesske sind Werte eine Art innerer Kompass für Verhalten und Entscheidungen.

Dieser Kompass hilft nicht nur Führungskräften. Er schafft auch für Mitarbeitende einen Rahmen, innerhalb dessen Entscheidungen nachvollziehbarer werden und gemeinsames Handeln entstehen kann.

Erfolgreiche Führung bedeutet aus dieser Perspektive deshalb auch, Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen.

Führung wird damit weniger zu einer einseitigen Vorgabe von oben. Vielmehr geht es darum, Verbindung herzustellen und eine gemeinsame Richtung zu entwickeln.

Warum Werte mehr sein müssen als Worte an der Wand

Viele Unternehmen besitzen eine Vision, Mission oder einen Wertekatalog. Problematisch wird es allerdings, wenn diese Begriffe zwar formuliert wurden, im Arbeitsalltag aber kaum jemand weiß, was sie konkret bedeuten.

Werte entfalten ihre Wirkung nicht dadurch, dass sie auf einer Unternehmenswebsite, in einer Präsentation oder an einer Bürowand stehen.

Sie müssen diskutiert, verstanden und gelebt werden.

Genau diesen Prozess beschreibt Dirk Jesske anhand seiner Tätigkeit als Vorstandssprecher einer Raiffeisen-Warengenossenschaft in Niedersachsen. Dort wurde mit „echt, stark, nah“ ein eigener Wertekodex formuliert.

Hinter diesen drei zunächst einfachen Begriffen steckt eine grundlegende Frage: Wofür steht das Unternehmen gegenüber seinen Mitarbeitenden, Mitgliedern und Kunden?

Gerade im ländlichen Raum spielt Nähe eine besondere Rolle. Dort kann ein Unternehmen weit mehr sein als ein anonymer Anbieter. In kleineren Orten ist es teilweise einer der verbliebenen Nahversorger und damit unmittelbar mit den Menschen und der Region verbunden.

Aus einem abstrakten Wert wie „Nähe“ wird dadurch etwas Konkretes und im Alltag Erfahrbares.

Werte im Unternehmen gemeinsam definieren

Damit ein Wertekodex tatsächlich Orientierung geben kann, darf er nicht ausschließlich in der Führungsetage entstehen.

Der Prozess beginnt für Dirk Jesske zunächst bei der einzelnen Person.

Welche Werte sind einer Führungskraft persönlich wichtig? Wofür steht sie? Welche Überzeugungen bestimmen ihre Entscheidungen?

Gerade innerhalb der Unternehmensführung ist diese Klärung entscheidend. Wenn zentrale Entscheidungsträger völlig unterschiedliche Wertvorstellungen verfolgen, kann die gemeinsame Ausrichtung schnell auseinanderdriften.

Anschließend muss die Diskussion weitere Ebenen erreichen: den Führungskreis, die Mitarbeitenden und – abhängig vom Unternehmen – auch Mitglieder und Kunden.

Denn Werte funktionieren nicht unabhängig von ihrem Umfeld.

Ein Unternehmen im ländlichen Raum kann beispielsweise nicht einfach Werte oder Themen in den Mittelpunkt stellen, die keinerlei Verbindung zu seinen Mitarbeitenden, Mitgliedern und Kunden besitzen. Die entscheidende Frage lautet deshalb immer: Welche Werte verbinden die Menschen tatsächlich?

Werteorientierte Führung bedeutet nicht Harmonie um jeden Preis

Eine gemeinsame Wertebasis bedeutet keineswegs, dass alle Menschen ständig derselben Meinung sein müssen.

Im Gegenteil: Dirk Jesske sieht auch konstruktive Konflikte als wichtigen Bestandteil erfolgreicher Zusammenarbeit. Unterschiedliche Ansichten können Dinge klären und Entwicklungen anstoßen.

Entscheidend ist, auf welcher Grundlage diese Auseinandersetzungen stattfinden.

Wenn Menschen ihre eigenen Werte kennen und gleichzeitig verstehen, wofür ihr Unternehmen steht, können auch unangenehme Themen offener angesprochen werden.

Denn häufig entstehen starke emotionale Reaktionen genau dort, wo persönliche Werte berührt oder verletzt werden.

Ein bestimmtes Verhalten eines Kollegen oder einer Führungskraft kann beispielsweise deshalb so stark stören, weil es nicht mit den eigenen Wertvorstellungen übereinstimmt.

Statt solche Konflikte lediglich als persönliche Antipathie abzutun, lohnt sich deshalb die Frage: Welcher Wert wird hier gerade berührt?

Genau darin liegt eine Stärke wertebasierter Führung. Sie schafft eine Grundlage, um auch schwierige Themen miteinander zu besprechen.

Unternehmenskultur beginnt bereits beim Recruiting

Die Werte eines Unternehmens spielen nicht erst eine Rolle, wenn ein neuer Mitarbeiter seinen Arbeitsvertrag unterschrieben hat.

Bereits im Bewerbungsprozess kann Klarheit darüber helfen, ob Mensch und Unternehmen tatsächlich zueinander passen.

Unternehmen sollten deshalb nicht nur kommunizieren, welche Werte sie vertreten. Ebenso wichtig ist Transparenz darüber, welche Einstellungen und Verhaltensweisen nicht zur eigenen Kultur passen.

Dadurch entsteht für Bewerber die Möglichkeit, selbst zu prüfen: Passe ich zu diesem Unternehmen und passt dieses Unternehmen zu mir?

Eine solche Klarheit kann langfristig wertvoller sein als eine perfekt formulierte Vision, mit der im Alltag kaum jemand etwas anfangen kann.

Gemeinsame Werte können Generationen verbinden

Eine besondere Herausforderung moderner Führung besteht darin, unterschiedliche Generationen, Erfahrungen und Erwartungen innerhalb eines Unternehmens zusammenzubringen.

Auch hier sieht Dirk Jesske in gemeinsamen Werten einen entscheidenden Ansatzpunkt.

Menschen können unterschiedlich alt sein, unterschiedliche berufliche Erfahrungen besitzen und verschiedene Vorstellungen von Arbeit mitbringen. Trotzdem können sie sich über grundlegende Werte miteinander verbinden.

Diese gemeinsame Identität schafft eine Gesprächsebene, die über einzelne Generationen hinausgeht.

Gerade in Traditionsunternehmen ist das relevant. Einerseits gilt es, die Geschichte und gewachsene Identität zu bewahren. Andererseits müssen sich Unternehmen verändern, wenn sie auch in Zukunft erfolgreich sein wollen.

Werte können in diesem Spannungsfeld Stabilität geben, ohne notwendige Entwicklung zu verhindern.

„Werte führen, Erfolge folgen“

Dirk Jesskes zentrale Erkenntnis entstand nicht aus einer theoretischen Betrachtung von Führung, sondern aus seiner eigenen beruflichen Entwicklung.

Über viele Jahre versuchte er, Unternehmen vor allem über profitables Wachstum nach vorne zu bringen. Mehr Leistung, mehr Wachstum und bessere wirtschaftliche Ergebnisse standen im Mittelpunkt.

Dieser Weg war für ihn mit enormem Arbeitsaufwand verbunden.

Heute setzt er an einem anderen Punkt an: Zuerst muss geklärt werden, wer die Menschen als Team und Unternehmen sind, wohin sie gemeinsam wollen und wofür sie stehen.

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, entsteht eine gemeinsame Überzeugung.

Mitarbeitende handeln dann nicht lediglich deshalb, weil eine Vorgabe aus dem Management umgesetzt werden muss. Im besten Fall verstehen sie, warum ein bestimmter Weg eingeschlagen wird und können sich mit diesem identifizieren.

Genau daraus kann die Leichtigkeit entstehen, die rein kennzahlenorientierter Führung häufig fehlt.

Fazit: Erfolgreiche Führung braucht einen inneren Kompass

Erfolgreiche Führung lässt sich nicht allein an Umsatz, Rendite oder Wachstum messen. Diese Kennzahlen bleiben für Unternehmen wichtig, doch sie erzählen nur einen Teil der Geschichte.

Langfristiger Erfolg braucht Menschen, die wissen, wofür sie gemeinsam arbeiten.

Werte können dafür den notwendigen inneren Kompass liefern. Sie geben Orientierung für Entscheidungen, schaffen Verbindung zwischen Menschen und ermöglichen es, auch Konflikte konstruktiv auszutragen.

Die entscheidende Aufgabe einer Führungskraft besteht deshalb nicht darin, Werte lediglich vorzugeben. Sie muss einen Prozess ermöglichen, in dem persönliche und gemeinsame Werte sichtbar, diskutierbar und im Alltag konkret erlebbar werden.

Dirk Jesskes Ansatz bringt diese Perspektive auf eine einfache Formel: Werte führen, Erfolge folgen.

Wer zuerst klärt, wer ein Unternehmen ist, wohin es will und wofür seine Menschen gemeinsam einstehen, schafft damit eine Grundlage, auf der wirtschaftlicher Erfolg wachsen kann.

DIRK JESSKE

Experte für wertebasierte Führung & Kommunikation

Themen

Kommunikation , Leadership , Mindset , Speaker

DIRK JESSKE