Berufliche Neuorientierung: Wie Matthias Konetzny nach einer Kündigung den Blick auf die eigene Wirkung lenkt

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Berufliche Neuorientierung: Wie Matthias Konetzny nach einer Kündigung den Blick auf die eigene Wirkung lenkt
Foto: Justin Bockey

Eine Kündigung stellt mehr infrage als den nächsten Arbeitsplatz. Sie kann auch das Bild erschüttern, das jemand über Jahre von sich selbst entwickelt hat. In „Wer wartet, wird aussortiert“ beschäftigt sich Matthias Konetzny mit beruflichen Brüchen, drohender Austauschbarkeit und dem Weg zurück zu eigenen Entscheidungen. Sein Ansatz: den persönlichen Beitrag genauer erkennen, verständlich benennen und mit dem nächsten machbaren Schritt wieder Handlungsspielraum gewinnen.

Wenn Erfahrung plötzlich wie ein Preisschild wirkt

Jahrelang Verantwortung übernehmen, Probleme lösen, loyal bleiben und dann die Mitteilung erhalten, dass die Zusammenarbeit endet. Mit dieser Situation beginnt Konetzny sein Vorwort. Er beschreibt die Kränkung, plötzlich vor allem als Kostenposition betrachtet zu werden, obwohl man sich weiterhin als erfahren und leistungsfähig erlebt.

Die Fragen danach reichen vom Lebensunterhalt bis zur eigenen Identität. Was zählt die bisherige Arbeit noch? Wofür wird man künftig gebraucht? Und wie lässt sich das jemandem erklären, der nur einen Lebenslauf vor sich hat?

Konetzny kennt den beruflichen Bruch auch persönlich. Im Vorwort zum Buch wird geschildert, wie er mit 37 Jahren seinen Arbeitsplatz verlor und sich anschließend selbstständig machte. Heute begleitet er als Unternehmerberater und Speaker Führungskräfte und Teams bei Veränderungen.

Sein Buch richtet sich besonders an Menschen, die weiterarbeiten und etwas beitragen möchten, sich aber beruflich an den Rand gedrängt fühlen. Der zugespitzte Titel formuliert seine Aufforderung, die eigene Zukunft aktiv mitzugestalten. Im Text wird daraus eine konkrete Auseinandersetzung mit Selbstachtung, Positionierung und Selbstführung.

Die „Lehmschicht“ hält mehr zusammen, als man sieht

Für die Rolle des mittleren Managements wählt Konetzny ein ungewöhnliches Bild: die Lehmschicht. Sie steht in seiner Betrachtung für Menschen, die zwischen Unternehmensstrategie und täglicher Umsetzung verbinden, ausgleichen und Zusammenhalt ermöglichen.

Ein Beschluss allein beantwortet noch nicht, wie unterschiedliche Abteilungen zusammenarbeiten sollen. Jemand muss Zuständigkeiten klären, widersprüchliche Erwartungen übersetzen und dafür sorgen, dass Entscheidungen im Alltag ankommen.

Diese Arbeit kann aus Konetznys Sicht leicht übersehen werden. Gerade wenn vieles funktioniert, bleibt unsichtbar, welche Abstimmungen, Konfliktklärungen und Erfahrungen dahinterstehen. Wird nur auf Hierarchiestufen geschaut, droht der konkrete Beitrag der Menschen darin aus dem Blick zu geraten.

Das Bild der Lehmschicht führt deshalb zu einer Frage, die für berufliche Neuorientierung entscheidend ist: Was würde fehlen, wenn die eigene Arbeit morgen wegfiele?

Die Antwort liegt häufig tiefer als die Stellenbezeichnung. Sie kann in einer Fähigkeit bestehen, die bei sehr unterschiedlichen Aufgaben gebraucht wird: Orientierung schaffen, schwierige Gespräche ermöglichen oder Schnittstellen arbeitsfähig halten.

Vom Aufgabenkatalog zum erkennbaren Beitrag

Konetzny unterscheidet konsequent zwischen dem, was jemand erledigt, und dem, was dadurch besser wird. Eine Liste voller Besprechungen und Zuständigkeiten zeigt zunächst Beschäftigung. Für eine neue berufliche Perspektive interessiert ihn stärker die Wirkung.

Wann wird jemand gezielt hinzugezogen? In welchen Situationen schafft diese Person Klarheit? Welche Probleme kann sie so bearbeiten, dass andere wieder weiterkommen?

Daraus entwickelt das Buch den persönlichen Positionierungssatz. Gemeint ist eine verständliche Beschreibung des eigenen Beitrags, die ohne Übertreibung auskommt und beim Gegenüber ein konkretes Bild entstehen lässt.

„Es geht nicht um ‚Ich bin toll!‘, es geht um ‚Hier bin ich nützlich‘.“

Der Gedanke verschiebt den Blick weg von der Frage, wie beeindruckend die eigene Laufbahn klingt. Im Vordergrund steht, welche Aufgabe man für andere lösen kann. Gerade nach einer Kündigung kann diese Perspektive helfen, die bisherige Arbeit neu zu betrachten, ohne sie auf den verlorenen Titel zu verkürzen.

Vier Fragen für eine klarere Positionierung

Seinen Baukasten für den Positionierungssatz ordnet Konetzny in vier Elemente:

  • Situation oder Zielgruppe: Wo und für wen wird der eigene Beitrag gebraucht?
  • Problem: Was funktioniert dort noch nicht?
  • Eigener Beitrag: Was tut man konkret, um die Lage zu verändern?
  • Wirkung: Was ist danach anders oder besser?

Das Buch führt diese Fragen mit Beispielen für Führungskräfte, HR-Verantwortliche und Fachkräfte weiter. So kann aus einer abstrakten Zuständigkeit eine nachvollziehbare Leistung werden.

Wer zwischen Abteilungen vermittelt, beschreibt dann beispielsweise auch, wie dadurch Entscheidungen wieder möglich werden. Wer Konflikte moderiert, benennt, dass anschließend wieder produktiv zusammengearbeitet werden kann.

Entscheidend ist für den Autor die Wiedererkennbarkeit. Ein Satz muss sich im tatsächlichen Handeln wiederfinden lassen. Er soll die eigene Erfahrung verdichten und zugleich zeigen, wo sie künftig nützlich werden könnte.

Eine kleine Trittleiter statt des großen Befreiungsschlags

Bei aller Aufforderung zur Eigeninitiative beschreibt Konetzny auch die Überforderung, die einer Entscheidung im Weg stehen kann. Er erzählt von Abenden am Küchentisch, an denen Gedanken um dieselben offenen Themen kreisten und jedes Problem größer wurde.

Den Anstoß für einen anderen Umgang findet er im Hauswirtschaftsraum. Ein Gegenstand steht zu hoch. Statt sich weiter zu verrenken, nimmt er die kleine Trittleiter daneben.

Aus dieser Alltagsszene entwickelt er sein Bild für Machbarkeit. Nicht das gesamte Problem muss auf einmal gelöst werden. Zunächst braucht es einen Schritt, der erreichbar ist.

In einem damaligen Projekt bestand dieser Schritt für ihn darin, morgens die Teilprojektleiter in der Kaffeeküche zusammenzubringen: Ergebnisse des Vortags besprechen, Ziele für den aktuellen Tag festlegen. Nach seiner Schilderung verbesserte das die Abstimmung zwischen den Teilprojekten.

Das Beispiel macht seine Haltung greifbar. Selbstverantwortung beginnt mit einer überschaubaren Handlung. Sie verlangt keine sofortige Sicherheit darüber, wie der gesamte weitere Weg aussehen wird.

Neuorientierung braucht Belege für den eigenen Wert

Konetzny verbindet Positionierung deshalb mit dem Sammeln konkreter Erfahrungen. Welche Situation wurde geklärt? Wo hat der eigene Beitrag einen Unterschied gemacht? Was gelingt bereits, auch wenn die berufliche Zukunft noch offen ist?

Solche Beobachtungen sollen verhindern, dass das Selbstbild vollständig von einer Absage oder einem Vergleich mit anderen bestimmt wird. Sie geben zugleich Material für Gespräche, Bewerbungen und die Entscheidung über eine neue Richtung.

„Wer wartet, wird aussortiert“ setzt damit bei einer schwierigen Erfahrung an und führt zu einer nüchternen Arbeitsfrage: Wofür bin ich nützlich, und wie wird das erkennbar?

Eine Kündigung nimmt zunächst eine Position. Sie beantwortet noch nicht, was jemand künftig beitragen kann. Genau diesen Unterschied möchte Matthias Konetzny wieder sichtbar machen, mit klareren Worten für die eigene Wirkung und einem nächsten Schritt, der tatsächlich gegangen werden kann.

Matthias Konetzny

Experte für Selbstverantwortung

Matthias Konetzny