Unternehmenskultur als unsichtbares Kapital: Warum sie über Erfolg und Misserfolg entscheidet

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Unternehmenskultur als unsichtbares Kapital: Warum sie über Erfolg und Misserfolg entscheidet
Foto: Justin Bockey

Warum sind manche Unternehmen über Jahre erfolgreich, ziehen gute Fachkräfte an und schaffen es, Mitarbeiter langfristig zu halten, während andere mit hoher Fluktuation, Fehlzeiten und zunehmendem Fachkräftemangel kämpfen?

Für Thomas Hüttl liegt ein wesentlicher Unterschied in einem Faktor, der in keiner klassischen Bilanz auftaucht: der Unternehmenskultur. Der Unternehmer und Impulsgeber für Unternehmenskultur blickt auf mehr als 40 Jahre unternehmerische Erfahrung zurück. Für ihn ist die Kultur eines Unternehmens dessen „unsichtbares Kapital“.

Dabei geht es nicht um Benefits, Leitbilder an der Wand oder einzelne Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung. Entscheidend ist vielmehr, wie Menschen innerhalb eines Unternehmens miteinander umgehen, wie Führung gelebt wird und wie viel Vertrauen, Offenheit und Verantwortung tatsächlich im Arbeitsalltag vorhanden sind.

Unternehmenskultur: Was ist das unsichtbare Kapital eines Unternehmens?

Unternehmenskultur zeigt sich für Thomas Hüttl vor allem im täglichen Verhalten. Wie kommunizieren Führungskräfte und Mitarbeiter miteinander? Werden Probleme offen angesprochen oder entstehen Informationen hauptsächlich über den Flurfunk? Wie geht eine Führungskraft damit um, wenn ein Mitarbeiter nicht nur eine berufliche, sondern eine persönliche Herausforderung erlebt?

Genau an solchen Situationen wird sichtbar, welche Kultur ein Unternehmen tatsächlich lebt.

Eine starke Unternehmenskultur kann dazu beitragen, dass Menschen gerne zur Arbeit kommen, sich mit ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen und Verantwortung übernehmen. Eine problematische Kultur bewirkt dagegen im schlimmsten Fall das Gegenteil: Mitarbeiter tun sich bereits morgens schwer damit, überhaupt zur Arbeit zu gehen.

Gerade deshalb ist Unternehmenskultur für Hüttl kein abstraktes Führungsthema. Sie beeinflusst unmittelbar, wie Menschen ihre Arbeit und ihren Arbeitgeber erleben.

Warum eine gute Unternehmenskultur immer wichtiger wird

Der Fachkräftemangel macht die Bedeutung einer starken Unternehmenskultur zusätzlich sichtbar. Unternehmen können Aufträge gewinnen und wirtschaftliche Chancen erkennen – ohne qualifizierte Mitarbeiter lassen sich diese Potenziale jedoch kaum ausschöpfen.

Damit werden Fachkräfte zunehmend zu einem entscheidenden Engpass.

Für Unternehmen reicht es deshalb nicht mehr aus, ausschließlich über Gehalt oder klassische Karriereperspektiven nachzudenken. Die Frage lautet zunehmend: Warum sollte ein guter Mitarbeiter gerade in diesem Unternehmen arbeiten und dort langfristig bleiben wollen?

Eine überzeugende Antwort darauf entsteht nicht allein im Recruiting. Sie entsteht im täglichen Umgang miteinander.

Thomas Hüttl sieht trotz der zunehmenden Möglichkeiten künstlicher Intelligenz den menschlichen Kontakt weiterhin als wesentlichen Bestandteil vieler Arbeits- und Kundenbeziehungen. KI kann Prozesse unterstützen und beispielsweise bei der ersten Einordnung eines Problems helfen. Sobald Sachverhalte komplexer werden, können jedoch menschliche Moderation, Vermittlung und persönliche Kommunikation entscheidend sein.

Gute Mitarbeiterführung beginnt beim Menschen

Wie Unternehmenskultur konkret aussehen kann, zeigt Thomas Hüttl anhand eines ungewöhnlichen Begriffs aus seinen eigenen Unternehmen: Auszubildende werden dort als „Lehrtöchter“ und „Lehrsöhne“ bezeichnet.

Der Begriff ist aus der Schweiz übernommen und drückt für ihn eine bestimmte Haltung aus. Ein junger Mensch soll im Unternehmen nicht ausschließlich als Arbeitskraft betrachtet werden, der bestimmte Fähigkeiten vermittelt werden müssen.

Es geht auch um die Beziehung zum Menschen.

Hat eine Lehrtochter oder ein Lehrsohn persönliche Sorgen, verschwinden diese schließlich nicht automatisch an der Eingangstür des Unternehmens. Führung bedeutet für Hüttl deshalb auch, ein offenes Ohr zu haben und in schwierigen Lebenssituationen nach Lösungen zu suchen.

Diese Haltung beschränkt sich nicht auf Auszubildende. Auch erfahrene Mitarbeiter können plötzlich vor privaten Herausforderungen stehen – von finanziellen Engpässen bis zur Pflege eines Elternteils.

Unternehmenskultur zeigt sich dann darin, wie ein Arbeitgeber reagiert.

Individuelle Lösungen statt starrer Führung

Ein prägnantes Beispiel aus Hüttls unternehmerischer Praxis sind die unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle. Bei rund 30 Mitarbeitern existieren nach seiner Aussage etwa 17 verschiedene Modelle.

Dahinter steht ein einfacher Gedanke: Menschen befinden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Nicht jeder Wunsch kann von einem Arbeitgeber erfüllt werden. Wo eine individuelle Lösung möglich ist, versucht Hüttl sie jedoch umzusetzen.

Auch bei kurzfristigen finanziellen Problemen gibt es eine konkrete Regelung. Mitarbeiter können bei Bedarf ein zinsloses Darlehen von 2.000 Euro erhalten. Ein solcher Betrag löst nicht jede Herausforderung, kann aber dabei helfen, einen akuten Engpass zu überbrücken.

Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Maßnahme als die Haltung dahinter: Ein Unternehmen übernimmt Verantwortung für die Menschen, die zu seinem Erfolg beitragen.

Führungskultur braucht Offenheit und Vertrauen

Eine gute Unternehmenskultur lässt sich nicht verordnen. Ein Unternehmen kann Werte definieren und Leitbilder formulieren – entscheidend bleibt jedoch, ob diese Werte im Alltag tatsächlich gelebt werden.

Besonders relevant sind dabei Führung und Kommunikation.

Mitarbeiter müssen erleben können, dass Probleme angesprochen werden dürfen. Führungskräfte wiederum müssen bereit sein zuzuhören und Lösungen nicht ausschließlich anhand standardisierter Prozesse zu beurteilen.

Genau hier entsteht Vertrauen.

Eine solche Kultur verlangt gleichzeitig Grenzen. Hüttls Ansatz bedeutet nicht, dass Unternehmen jeden individuellen Wunsch erfüllen müssen. Vielmehr geht es darum, dort nach Möglichkeiten zu suchen, wo Möglichkeiten vorhanden sind.

Das macht Unternehmenskultur zu einem kontinuierlichen Prozess und nicht zu einem einmaligen Projekt.

Woran lässt sich eine starke Unternehmenskultur erkennen?

Ob Unternehmenskultur funktioniert, zeigt sich nach Hüttls Einschätzung nicht nur in persönlichen Gesprächen oder der allgemeinen Stimmung. Auch bestimmte Kennzahlen können Hinweise geben.

Besonders interessant sind dabei Krankheitstage und Fluktuationsraten. Hüttl verweist darauf, dass Unternehmen mit einer vorbildlichen Kultur messbar weniger Krankheitstage und eine geringere Fluktuation aufweisen können.

Hinzu kommt ein weiterer Indikator: Initiativbewerbungen.

Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche als attraktive Arbeitgeber bekannt sind, müssen potenzielle Mitarbeiter nicht ausschließlich suchen. Menschen werden selbst auf diese Unternehmen aufmerksam und bewerben sich aus eigener Initiative.

Damit kann Unternehmenskultur langfristig auch zu einem Wettbewerbsvorteil im Recruiting werden.

Unternehmenskultur und Fachkräftemangel gehören zusammen

Wer über Fachkräftemangel spricht, sollte deshalb nicht ausschließlich über Recruiting sprechen.

Die Gewinnung neuer Mitarbeiter ist nur eine Seite der Herausforderung. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, warum bestehende Mitarbeiter bleiben.

Eine starke Unternehmenskultur kann hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Werden Menschen ernst genommen, erhalten sie Unterstützung und erleben sie Führung als menschlich und lösungsorientiert, entsteht eine andere Beziehung zum Arbeitgeber.

Gerade in einem Arbeitsmarkt, in dem qualifizierte Fachkräfte auswählen können, für welches Unternehmen sie tätig sein möchten, gewinnt dieser Faktor an Bedeutung.

Die Arbeitgebermarke entsteht dabei nicht erst in Stellenanzeigen oder auf Karriereseiten. Sie entsteht jeden Tag innerhalb des Unternehmens.

Unternehmenskultur entwickelt sich mit der Führung

Thomas Hüttls eigener Weg zum Impulsgeber für Unternehmenskultur zeigt zugleich, dass gute Mitarbeiterführung kein abgeschlossener Lernprozess ist.

Über viele Jahre führte er Workshops für Branchenkollegen durch. Dabei entwickelten sich ursprünglich fachliche Themen zunehmend in Richtung Selbstmanagement, Selbstführung und Mitarbeiterführung.

Die vermeintlich „weichen“ Themen wurden nicht nur wichtiger, sondern auch immer häufiger nachgefragt.

Darin liegt eine wichtige Erkenntnis für Unternehmer und Führungskräfte: Wer andere Menschen führen möchte, muss sich auch mit der eigenen Haltung und Selbstführung beschäftigen.

Unternehmenskultur beginnt damit nicht irgendwo in der Belegschaft. Sie beginnt bei den Menschen, die Verantwortung für das Unternehmen und seine Mitarbeiter tragen.

Fazit: Unternehmenskultur ist Kapital, auch wenn sie in keiner Bilanz steht

Unternehmenskultur lässt sich nicht anfassen und nur bedingt in Zahlen ausdrücken. Ihre Auswirkungen können dennoch sehr konkret werden.

Sie zeigt sich darin, ob Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Sie beeinflusst, ob Fachkräfte bleiben oder das Unternehmen verlassen. Und sie kann dazu beitragen, ob ein Arbeitgeber innerhalb seiner Branche so attraktiv wahrgenommen wird, dass Menschen sich sogar initiativ bei ihm bewerben.

Thomas Hüttls Ansatz macht deutlich, dass dafür nicht zwangsläufig spektakuläre Maßnahmen erforderlich sind. Häufig beginnt eine starke Unternehmenskultur bei elementaren Fragen: Wie wird miteinander gesprochen? Wie reagieren Führungskräfte auf Probleme? Wie individuell darf Arbeit gestaltet werden? Und wie viel Verantwortung übernimmt ein Unternehmen für die Menschen, die dort arbeiten?

Das „unsichtbare Kapital“ eines Unternehmens entsteht damit jeden Tag neu – durch Führung, Kommunikation, Vertrauen und gelebte Verantwortung.

Thomas Hüttl begleitet als Impulsgeber Unternehmer und Unternehmen dabei, ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Dafür bietet er unter anderem Impulsvorträge, Workshops und individuelle Begleitung an.

Thomas Hüttl

Unternehmenskultur - das unsichtbare Kapital

Themen

Leadership , Persoenlichkeitsentwicklung , Speaker , Unterehmertum

Thomas Hüttl