Rebecca Jeßke: Warum gute Kommunikation mit dem Verstehen beginnt

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Rebecca Jeßke: Warum gute Kommunikation mit dem Verstehen beginnt
Foto: Justin Bockey

Kommunikation findet überall statt. Im Unternehmen, im Team, in der Partnerschaft – und natürlich beim Friseur. Doch obwohl Menschen täglich miteinander sprechen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie sich tatsächlich verstehen.

Genau hier setzt Rebecca Jeßke an. Die Friseurmeisterin und Kommunikationsexpertin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Menschen eine gemeinsame Sprache finden können. Ihre Erfahrung aus der Praxis zeigt: Missverständnisse entstehen häufig nicht deshalb, weil Menschen unterschiedliche Ziele verfolgen. Viel öfter nehmen sie Situationen unterschiedlich wahr, verwenden andere Begriffe oder kommunizieren aus vollkommen verschiedenen Bedürfnissen und Werten heraus.

Mit ihrem Buch „The Hair Code“ und ihrer Arbeit innerhalb der Friseurbranche möchte Rebecca Jeßke deshalb ein stärkeres Bewusstsein für Kommunikation schaffen. Ihr Ansatz beginnt allerdings nicht beim Gegenüber.

Er beginnt bei einem selbst.

Gute Kommunikation beginnt mit Selbstverständnis

Rebecca Jeßke ist seit rund 20 Jahren Friseurmeisterin. Die intensive Beschäftigung mit Kommunikation entstand für sie unmittelbar aus ihrem Berufsalltag.

Als Führungskraft stellte sie früh fest, dass fachliche Kompetenz allein nicht ausreicht, um ein Team erfolgreich zu führen. Denn Führung bedeutet immer auch Kommunikation.

Dabei machte sie eine entscheidende Erfahrung: Bevor eine Führungskraft ihre Mitarbeiter verstehen kann, sollte sie zunächst lernen, sich selbst zu verstehen.

Welche Werte sind ihr wichtig? Wie spricht sie? Wie reagiert sie auf bestimmte Situationen? Welche Erwartungen hat sie an andere Menschen? Und auf welche Weise vermittelt sie ihre Vorstellungen?

Diese Fragen können entscheidend dafür sein, ob Kommunikation funktioniert.

Rebecca Jeßke beschreibt dafür ein Beispiel aus ihrer eigenen Führungserfahrung. Während Freiheit für sie persönlich einen hohen Stellenwert besitzt, war einer Mitarbeiterin vor allem Sicherheit wichtig.

Rebecca Jeßkes Ansatz lautete sinngemäß: Was braucht die Mitarbeiterin, damit sie eine Aufgabe selbstständig lösen kann?

Die Mitarbeiterin hingegen wünschte sich klare Vorgaben und konkrete Schritte, die sie nacheinander abarbeiten konnte.

Beide wollten letztlich dasselbe: eine Aufgabe erfolgreich erledigen.

Der Weg dorthin war jedoch vollkommen unterschiedlich.

Warum Menschen aneinander vorbeireden

Solche Situationen gibt es nicht nur zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Sie entstehen täglich zwischen Kunden und Dienstleistern, Kollegen, Geschäftspartnern oder innerhalb von Familien und Partnerschaften.

Gerade im Friseurhandwerk können Missverständnisse besonders sichtbar werden.

Eine Kundin beschreibt eine bestimmte Haarlänge oder Haarfarbe und hat dabei ein sehr konkretes Bild vor Augen. Der Friseur interpretiert die Beschreibung jedoch anders. Das Ergebnis entspricht anschließend nicht den Vorstellungen der Kundin.

Rebecca Jeßke berichtet aus ihrer Praxis, dass viele Neukunden bereits negative Erfahrungen dieser Art gemacht haben. Hinter vermeintlich kleinen Missverständnissen kann dabei viel mehr stecken als eine Frisur, die nicht gefällt.

Haare sind für viele Menschen eng mit Selbstbild, Identität und Wohlbefinden verbunden. Wird eine Kundin nicht richtig verstanden, betrifft das deshalb möglicherweise auch die Beziehung zum eigenen Erscheinungsbild.

Für Rebecca Jeßke liegt genau darin eine große Verantwortung des Friseurhandwerks.

„Verstehe dich erst mal selbst“

Wer andere besser verstehen möchte, sollte nach Rebecca Jeßkes Ansatz deshalb zunächst die eigene Kommunikation kennenlernen.

Dabei spielen nicht nur Worte eine Rolle.

Menschen kommunizieren über ihre Körperhaltung, Mimik, Gestik, Stimme und ihre gesamte Art, auf andere Menschen zu reagieren. Vieles davon geschieht vollkommen unbewusst.

Rebecca Jeßke bringt diese Herausforderung mit einem prägnanten Gedanken auf den Punkt:

„Kommunikation ist einfach. Schwierig wird es, wenn Sprache dazukommt.“

Denn sobald Menschen ihre Gedanken in Worte übersetzen, entstehen Interpretationsspielräume.

Ein Begriff kann für zwei Personen etwas vollkommen Unterschiedliches bedeuten. Gleichzeitig beeinflussen persönliche Erfahrungen, Werte und Bedürfnisse, wie eine Aussage verstanden wird.

Deshalb lohnt es sich, die eigene Kommunikation bewusst wahrzunehmen.

Wie formuliert eine Person ihre Wünsche? Welche Begriffe verwendet sie besonders häufig? Wie verändert sich ihre Körpersprache in angespannten Situationen? Und wie wirkt diese Kommunikation auf andere?

Wer sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, kann seine Wirkung bewusster gestalten.

Unterschiedliche Kommunikationskanäle erkennen

Ein weiterer Bestandteil von Rebecca Jeßkes Arbeit ist die Beschäftigung mit unterschiedlichen Kommunikationsweisen.

Dabei können Menschen Informationen beispielsweise stärker visuell oder über Gefühle wahrnehmen und ausdrücken.

Interessanterweise machte Rebecca Jeßke diese Erfahrung auch bei sich selbst.

Als Friseurin hätte sie zunächst vermutet, stark visuell geprägt zu sein. Schließlich spielen Formen, Farben und das äußere Erscheinungsbild in ihrem Beruf eine zentrale Rolle. Bei der genaueren Beschäftigung mit ihrer eigenen Kommunikation stellte sie jedoch fest, dass sie stark über Gefühle kommuniziert und entsprechendes Vokabular verwendet.

Solche Erkenntnisse können gerade innerhalb von Teams einen entscheidenden Unterschied machen.

Denn Konflikte bedeuten nicht automatisch, dass Menschen unterschiedliche Vorstellungen vom Ergebnis haben.

Manchmal verfolgen beide Seiten exakt dasselbe Ziel – drücken es lediglich unterschiedlich aus.

Sobald diese Unterschiede sichtbar werden, kann aus Reibung Verständnis entstehen.

Kommunikation als Führungsaufgabe

Besonders relevant wird dieser Ansatz in der Mitarbeiterführung.

Rebecca Jeßke richtet ihre Arbeit deshalb unter anderem an Saloninhaber und Führungskräfte im Handwerk. Denn die Art, wie innerhalb eines Unternehmens kommuniziert wird, wird maßgeblich von der Führung geprägt.

Eine Führungskraft kann nicht vollständig kontrollieren, wie Mitarbeiter kommunizieren. Sie kann jedoch die eigene Kommunikation verändern.

Sie kann lernen, ihre Sprache, Körpersprache, Mimik und Gestik bewusster einzusetzen und sich stärker auf ihr Gegenüber einzustellen.

Das bedeutet nicht, sich zu verstellen.

Vielmehr geht es darum, Informationen so zu vermitteln, dass der andere Mensch sie möglichst gut aufnehmen und verstehen kann.

Gerade bei unterschiedlichen Persönlichkeiten kann das einen erheblichen Unterschied machen. Ein Mitarbeiter benötigt vielleicht Freiraum und Eigenverantwortung. Ein anderer braucht klare Strukturen und konkrete Orientierung.

Gute Führung erkennt diese Unterschiede.

Wenn Teams plötzlich merken: Wir wollen dasselbe

In ihren Kommunikationstrainings erlebt Rebecca Jeßke immer wieder Situationen, in denen genau dieses Verständnis entsteht.

Menschen, die zuvor regelmäßig aneinandergeraten sind, erkennen plötzlich, dass sie eigentlich dasselbe Ziel verfolgen.

Nicht die Absicht war das Problem.

Die Kommunikation war es.

Diese Erkenntnis kann die Zusammenarbeit innerhalb eines Teams grundlegend verändern. Anstatt das Verhalten des anderen als schwierig oder unverständlich wahrzunehmen, entsteht ein Bewusstsein dafür, warum eine Person anders kommuniziert oder arbeitet.

Rebecca Jeßke versteht ihre Rolle dabei auch als eine Form des Brückenbaus.

Gerade als externe und neutrale Person kann sie Kommunikationsmuster sichtbar machen, die innerhalb eines Teams über lange Zeit selbstverständlich geworden sind.

HairConnect: Austausch statt Konkurrenz

Neben ihrer Tätigkeit als Speakerin und Kommunikationsexpertin hat Rebecca Jeßke mit HairConnect eine Community für die Friseurbranche gegründet.

Dabei geht es nicht ausschließlich um Weiterbildung.

Ein wichtiger Bestandteil ist der Austausch zwischen Unternehmern und Menschen aus der Branche. Rebecca Jeßke möchte einen Raum schaffen, in dem auch darüber gesprochen werden kann, wenn etwas gerade nicht funktioniert.

Ohne Konkurrenzdenken und ohne sofortige Bewertung.

Gerade für Unternehmer und Führungskräfte kann ein solcher Austausch wertvoll sein. Schließlich stehen sie häufig vor ähnlichen Herausforderungen – von Mitarbeiterführung über Kundenkommunikation bis hin zur persönlichen Weiterentwicklung.

Kommunikationstrainings sind deshalb ebenfalls Bestandteil dieses Ansatzes.

Die Teilnehmer lernen unterschiedliche Kommunikationskanäle kennen und beschäftigen sich intensiv mit ihrer eigenen Sprache. Daraus entstehen laut Rebecca Jeßke häufig jene Aha-Momente, durch die bisher schwierige Situationen plötzlich verständlich werden.

„The Hair Code“: Eine gemeinsame Sprache für die Friseurbranche

Mit ihrem Buch „The Hair Code“ überträgt Rebecca Jeßke ihre Erfahrungen aus dem Salonalltag auf eine zentrale Frage:

Wie können Friseur und Kunde wirklich dieselbe Sprache sprechen?

Denn ein Friseur verändert nicht einfach nur Haare.

Das äußere Erscheinungsbild kann Ausdruck dessen sein, wie sich ein Mensch selbst wahrnimmt und wie er wahrgenommen werden möchte. Um dieses innere Bild nach außen tragen zu können, muss der Friseur zunächst verstehen, was die Kundin oder der Kunde tatsächlich meint.

Genau deshalb ist Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil einer guten Beratung.

Technisches Können bleibt selbstverständlich wichtig. Doch erst wenn fachliche Kompetenz mit echtem Verständnis für das Gegenüber verbunden wird, kann ein Ergebnis entstehen, das nicht nur handwerklich überzeugt, sondern sich für den Kunden auch richtig anfühlt.

Fazit: Verstehen verändert Kommunikation

Rebecca Jeßkes Ansatz zeigt, dass erfolgreiche Kommunikation nicht mit möglichst vielen Worten beginnt.

Sie beginnt mit Aufmerksamkeit.

Wer verstehen möchte, sollte zunächst die eigene Sprache, die eigenen Werte und die eigenen Kommunikationsmuster kennenlernen. Erst dann wird es leichter, Unterschiede beim Gegenüber wahrzunehmen und die eigene Kommunikation entsprechend anzupassen.

Gerade in Unternehmen und Teams kann daraus ein entscheidender Perspektivwechsel entstehen.

Nicht jeder Mensch benötigt dieselben Informationen. Nicht jeder Mitarbeiter möchte auf dieselbe Weise geführt werden. Und nicht jeder Kunde meint dasselbe, wenn er dieselben Worte verwendet.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Was möchte ich sagen?“

Sondern auch: „Wie muss ich kommunizieren, damit mein Gegenüber mich wirklich versteht?“

Genau dort beginnt gute Kommunikation.

Rebecca Jesske

Übernimm Verantwortung für dein Leben

Themen

Kommunikation , Mindset , Motivation , Speaker

Rebecca Jesske