Vier Fragen, vier Antworten: Martin Gattung bringt die neue geförderte private Altersvorsorge auf den Punkt
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Anlässlich der DAV-Jahrestagung 2026 in Berlin stellt sich Martin Gattung am Messestand der Aeiforia Fragen zur geplanten Reform der privaten Altersvorsorge. In vier präzisen Antworten erklärt er, was sich mit dem neuen Altersvorsorgedepot verändert, welche Chancen die Reform eröffnet und welche Herausforderungen auf Anbieter, Berater und Verbraucher zukommen.
Was ist neu am Altersvorsorgedepot – und was bedeutet die Reform für Verbraucher und Anbieter?
Martin Gattung:
Aus Verbrauchersicht ändert sich eine ganze Menge. Das neue Altersvorsorgedepot kann beispielsweise auch ohne Garantien geführt werden. Hinzu kommen eine neue Förderung, neue Anbieter und möglicherweise sogar der Staat als weitere Anbieterstelle, der damit in Konkurrenz zu privaten Anbietern treten könnte.
Aber auch auf die Anbieter kommt viel Arbeit zu. Wir haben heute die bestehenden Riester-Verträge. Entscheidet sich ein Kunde künftig dafür, bei einem solchen Vertrag die neue Förderung zu nutzen, kann eine Art hybrider Vertrag entstehen: bestehendes zertifiziertes Vertragsrecht trifft auf neues Förderrecht. Die Anbieter müssen ihre Produkte, Systeme und Prozesse darauf vorbereiten. Wir informieren und begleiten die Anbieter bereits seit Anfang Februar zu diesen Themen.
Welche Herausforderungen bringt die Reform für die Beratung mit sich?
Martin Gattung:
Der Gesetzgeber legt großen Wert darauf, dass umfassend und transparent über die alte und die neue Förderung informiert wird. Dafür muss unter anderem die eingesetzte Angebotssoftware erheblich erweitert werden, damit Berater überhaupt in der Lage sind, die unterschiedlichen Möglichkeiten fundiert darzustellen und zu vergleichen.
Für mich ist aber noch etwas anderes entscheidend: Jede Beratung ist anders. Kunden haben unterschiedliche Pläne und Ziele, sind unterschiedlich alt und haben unterschiedliche Einstellungen zum Risiko. Manche haben Bedenken gegenüber einer Altersvorsorge ohne Garantie, andere nur noch eine kurze Restlaufzeit in ihrem bisherigen Vertrag. Wieder andere möchten lieber in die vierte Säule, also das selbstgenutzte Wohneigentum, investieren.
Es gibt deshalb nicht die eine richtige Lösung für alle. Die Berater müssen fachlich und technisch in die Lage versetzt werden, diese unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnisse in ihrer Empfehlung zu berücksichtigen.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen, wenn die neue geförderte Altersvorsorge startet?
Martin Gattung:
Am 1. Januar 2027 liegen 25 Jahre Riester hinter uns. Für bestehende Verträge gilt grundsätzlich der Bestandsschutz. Dem Kunden kann die bisherige Förderung also nicht einfach genommen werden, und sein Vertrag kann wie bisher weiterlaufen.
Er kann sich deshalb in Ruhe informieren und entscheiden, ob er im bisherigen System bleiben oder in das neue Förderrecht wechseln möchte. Für beide Wege kann es gute Gründe geben. Entscheidend sind unter anderem die individuelle Vertragssituation, die Restlaufzeit und die persönlichen Ziele. Genau deshalb sollte man sehr genau hinschauen, bevor man sich für „wechseln“ oder „behalten“ entscheidet.
Wechseln oder behalten – können Verbraucher diese Entscheidung künftig einfach selbst treffen?
Martin Gattung:
Ein Klick im Netz ist schnell gemacht. Das Leben hält sich aber selten an starre Hochrechnungen. Der eigentliche Wert professioneller Begleitung zeigt sich häufig erst dann, wenn sich Lebensumstände verändern.
Ich glaube deshalb, dass nur wenige Menschen in der Lage sein werden, all diese Fragen vollständig für sich selbst zu beantworten. Einen Vertrag online abzuschließen ist schnell gemacht. Spannend wird es aber danach: Was passiert, wenn Fragen entstehen oder sich die persönliche Situation verändert?
Heirat, Scheidung, die Geburt eines Kindes und viele andere Ereignisse können Auswirkungen darauf haben, wie sich eine geförderte Altersvorsorge weiterentwickeln sollte. Genau an diesen Punkten zeigt sich, wie wichtig es ist, nicht nur den Abschluss, sondern den gesamten Vorsorgeweg im Blick zu behalten.
Mein Fazit: Verbraucher sollten hinsichtlich ihrer bestehenden Riesterverträge keine vorschnelle Entscheidung treffen, sondern fachmännische Beratung einholen und sich alle Möglichkeiten erläutern lassen. Erst dann sind sie in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, die zu ihrer persönlichen Situation passt.
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