Leben und Arbeiten 2035: Robert Koppe über Robotik, autonomes Fahren und die Zukunft unserer Gesellschaft

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Leben und Arbeiten 2035: Robert Koppe über Robotik, autonomes Fahren und die Zukunft unserer Gesellschaft
Foto: Justin Bockey

Wie wird das Leben im Jahr 2035 aussehen? Werden Menschen noch selbst Auto fahren? Welche Aufgaben übernehmen Roboter in der Produktion? Und was bedeutet eine zunehmend automatisierte Welt für Unternehmen, Arbeitnehmer und die Gesellschaft?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Robert Koppe. Sein Schwerpunkt liegt auf Robotik, Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung – insbesondere im Umfeld der Automobilzulieferindustrie. Dabei geht sein Blick weit über einzelne Technologien hinaus. Für ihn stellt sich vor allem eine entscheidende Frage: Was müssen Unternehmen und Menschen heute tun, um auf die Veränderungen der kommenden zehn Jahre vorbereitet zu sein?

Seine Prognose ist deutlich: Bis 2035 wird sich nicht nur die Art verändern, wie produziert und gearbeitet wird. Auch Mobilität, Qualifikationen, Konsumverhalten und letztlich das gesellschaftliche Verständnis von Arbeit könnten sich grundlegend wandeln.

Mobilität 2035: Das eigene Auto verliert an Bedeutung

Autos wird es auch 2035 geben. Robert Koppe bezweifelt jedoch, dass der Mensch dann noch selbstverständlich selbst hinter dem Lenkrad sitzt.

Klassische Fahrzeuge könnten zunehmend einen anderen Stellenwert bekommen. Sportwagen, Offroad-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor könnten beispielsweise als Freizeit- und Liebhaberprodukte weiterbestehen. Die alltägliche Mobilität entwickelt sich seiner Einschätzung nach dagegen in eine völlig andere Richtung.

Insbesondere in Städten könnten gemeinschaftlich genutzte autonome Fahrzeuge und Robotaxis an Bedeutung gewinnen. Damit verändert sich eine Vorstellung, die über Jahrzehnte selbstverständlich erschien: Ein Auto muss nicht mehr zwangsläufig einer einzelnen Person gehören.

Auch das Lenkrad könnte langfristig überflüssig werden.

Das Fahrzeug wird damit vom klassischen Fortbewegungsmittel zunehmend zu einem Raum, der sich an die Bedürfnisse seiner Passagiere anpasst.

Vom Auto zum mobilen Büro, Schlafzimmer oder Familienraum

Für Robert Koppe gehört die Individualisierung autonomer Fahrzeuge zu den großen Entwicklungen der kommenden Jahre.

Ein Fahrzeug könnte künftig erkennen, welche Anforderungen der Passagier gerade hat. Ist er müde, könnte sich der Innenraum stärker an Ruhe und Erholung orientieren. Möchte er arbeiten, verwandelt sich das Fahrzeug in ein mobiles Büro mit Arbeitsplatz und Internetverbindung.

Für eine Familie auf dem Weg in den Urlaub könnte wiederum eine andere Innenraumkonfiguration sinnvoll sein: vier Sitzplätze, ein gemeinsamer Tisch und Unterhaltungsmöglichkeiten.

Der entscheidende Unterschied zum heutigen Auto liegt damit nicht allein im autonomen Fahren. Das Fahrzeug selbst könnte zu einer flexiblen Umgebung werden.

Gleichzeitig erwartet Robert Koppe unterschiedliche Mobilitätsangebote für unterschiedliche Budgets. Wer Wert auf Exklusivität legt, könnte ein Fahrzeug allein nutzen und direkt ans Ziel fahren. Günstigere oder möglicherweise werbefinanzierte Angebote könnten dagegen mehrere Personen transportieren oder Umwege in Kauf nehmen.

Mobilität würde damit stärker zu einer individuell buchbaren Dienstleistung.

Robotik verändert die Produktion schon heute

Was für 2035 nach Zukunft klingt, beginnt in der Industrie längst Realität zu werden.

Robert Koppe kommt aus einer Zeit, in der schlanke Produktionssysteme, Automatisierung und später Industrie 4.0 die entscheidenden Schlagworte waren. Produktionsanlagen wurden aufgebaut, verlagert und optimiert. Dabei stand lange der Mensch im Mittelpunkt der Produktionsplanung.

Diese Phase verändert sich.

Ein Beispiel aus seiner eigenen beruflichen Erfahrung verdeutlicht die Entwicklung. Vor rund zehn Jahren gestaltete er einen Arbeitsplatz bei BMW in Wackersdorf neu und führte dort Methoden aus der japanisch geprägten schlanken Produktion ein.

Heute übernimmt dort ein Industrieroboter schwere und monotone Tätigkeiten. Er legt Teile in Maschinen ein und kann diese Aufgabe kontinuierlich ausführen.

Genau darin sieht Koppe einen Vorgeschmack auf eine Entwicklung, die erheblich an Geschwindigkeit gewinnen könnte.

Roboter werden nicht mehr ausschließlich hinter großen Schutzgittern komplizierte industrielle Prozesse ausführen. Sie könnten zunehmend Tätigkeiten übernehmen, die bislang Menschen erledigt haben.

Dark Factories zeigen, wie weit Automatisierung gehen kann

Eine besonders weitreichende Form dieser Entwicklung sind sogenannte Dark Factories. Dabei handelt es sich um hochautomatisierte Produktionsumgebungen, in denen Produkte mit sehr wenig oder teilweise ohne unmittelbares menschliches Zutun hergestellt werden können.

Robert Koppe verweist im Gespräch auf entsprechende Entwicklungen in China.

Das bedeutet nicht, dass jede Fabrik innerhalb weniger Jahre menschenleer sein wird. Zwischen der klassischen Produktion und einer vollständig automatisierten Fabrik existieren zahlreiche Zwischenstufen.

Entscheidend ist für ihn deshalb weniger die Frage, ob diese Entwicklung exakt in einer bestimmten Form eintritt.

Entscheidend ist, dass Unternehmen sich heute damit beschäftigen.

Wer im Jahr 2035 wettbewerbsfähig sein möchte, muss sich bereits jetzt fragen, welche Produkte dann benötigt werden, wie diese hergestellt werden und welche Rolle Menschen und Maschinen innerhalb dieser Produktion übernehmen.

Zukunftsfähigkeit beginnt nicht 2035

Genau an diesem Punkt setzt Robert Koppe mit seiner Arbeit an.

Unternehmen sollten seiner Ansicht nach nicht ausschließlich darüber nachdenken, wie sie morgen profitabel bleiben. Sie müssen sich die Frage stellen, wie sie im Jahr 2035 profitabel sein wollen – und daraus ableiten, welche Entscheidungen bereits heute notwendig sind.

Das betrifft zunächst das eigene Produkt.

Was wird ein Unternehmen 2035 überhaupt herstellen? Wird dieses Produkt noch benötigt? Wie verändert sich das Nutzungsverhalten der Kunden? Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen?

Doch die technologische Transformation endet nicht beim Produkt.

Sie betrifft auch die Mitarbeiter.

Wenn Roboter künftig einen größeren Anteil manueller, monotoner oder körperlich belastender Arbeit übernehmen, verändern sich die Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen. Damit wird Qualifizierung zu einer strategischen Zukunftsfrage.

Unternehmen müssen sich heute damit beschäftigen, welche Kompetenzen ihre Mitarbeiter in zehn Jahren brauchen.

Wenn sich Arbeit verändert, verändert sich die Gesellschaft

An diesem Punkt verlässt die Diskussion die einzelne Produktionshalle.

Denn Robotik, KI und Automatisierung verändern nach Koppes Einschätzung nicht nur einzelne Arbeitsplätze. Die Entwicklung könnte ganze Branchen und schließlich die Gesellschaft erfassen.

Damit stellt sich eine wesentlich größere Frage: Welchen Stellenwert wird klassische Erwerbsarbeit künftig haben?

Wenn Maschinen und automatisierte Systeme immer mehr Wertschöpfung übernehmen, könnte sich langfristig auch die gesellschaftliche Bewertung von Arbeit verändern. Robert Koppe spricht in diesem Zusammenhang über mögliche neue Formen der Finanzierung gesellschaftlich wertvoller Tätigkeiten und stellt zur Diskussion, ob heutige Steuermodelle langfristig durch stärker an Wertschöpfung orientierte Modelle ergänzt oder ersetzt werden müssten.

Damit wird deutlich, wie weitreichend technologische Transformation tatsächlich sein kann.

Aus einer Diskussion über einen Roboter an einer Produktionslinie entsteht schnell eine Diskussion über Qualifikation, Beschäftigung, Einkommen, Steuern und gesellschaftliche Teilhabe.

Warum Akzeptanz über den Erfolg neuer Technologien entscheidet

Technologisch möglich bedeutet nicht automatisch gesellschaftlich akzeptiert.

Gerade beim autonomen Fahren wird diese Herausforderung deutlich. Selbst wenn Fahrzeuge technisch ohne Fahrer auskommen, müssen Menschen bereit sein, ihnen zu vertrauen.

Robert Koppe sieht deshalb nicht allein Unternehmen und Entwickler in der Verantwortung. Auch die Gesellschaft muss ein Bild davon entwickeln, wie das Leben mit diesen Technologien aussehen kann.

Unsicherheit und Ablehnung können Entwicklungen bremsen. Dabei zeigt gerade die Geschichte, wie schnell Technologien, die zunächst fremd erscheinen, später selbstverständlich werden können.

Der Wandel ist deshalb nicht ausschließlich eine technische Aufgabe. Er ist ebenso eine kommunikative und gesellschaftliche Aufgabe.

Zukunft braucht verständliche Bilder statt Angst

Neben seiner Arbeit mit dem produzierenden Mittelstand verfolgt Robert Koppe deshalb ein zweites Anliegen: Er möchte Menschen ein verständliches Bild davon vermitteln, wie das Leben im Jahr 2035 aussehen könnte.

Dabei geht es nicht darum, eine Zukunft bis ins letzte Detail vorherzusagen.

Koppe bezeichnet sich selbst nicht als Zukunftsforscher. Er nutzt vielmehr Erkenntnisse und Methoden der Zukunftsforschung, um mögliche Entwicklungen greifbar zu machen und daraus Entscheidungen für die Gegenwart abzuleiten.

Das ist besonders wichtig, weil verschiedene Generationen sehr unterschiedlich mit Digitalisierung und neuen Technologien umgehen.

Während jüngere Menschen viele digitale Entwicklungen selbstverständlich annehmen, erlebt Koppe bei älteren Generationen teilweise eine deutlich größere Distanz. Gerade die Babyboomer-Generation benötigt seiner Ansicht nach Informationen und konkrete Bilder, um ein Verständnis für die kommenden Veränderungen zu entwickeln.

Denn 2035 ist nicht irgendwann.

Viele Menschen, die heute kurz vor dem Ruhestand stehen, werden diese neue Welt aktiv erleben.

Die Zukunft von 2035 wird heute gestaltet

Robotaxis, autonome Fahrzeuge, humanoide oder industrielle Roboter und hochautomatisierte Fabriken wirken auf den ersten Blick wie einzelne technologische Entwicklungen. Tatsächlich hängen sie jedoch eng miteinander zusammen.

Sie verändern die Frage, wie Menschen sich fortbewegen, wie Unternehmen produzieren, welche Fähigkeiten Arbeitnehmer benötigen und welchen Stellenwert Arbeit innerhalb einer Gesellschaft besitzt.

Für Robert Koppe liegt genau darin die zentrale Herausforderung.

Der produzierende Mittelstand sollte nicht warten, bis neue Technologien zum Standard geworden sind. Unternehmen müssen sich frühzeitig damit auseinandersetzen, welche Veränderungen auf ihre Geschäftsmodelle, Produkte und Mitarbeiter zukommen könnten.

Gleichzeitig braucht es eine Gesellschaft, die diese Entwicklung versteht und bereit ist, sie mitzugestalten.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie wird das Leben im Jahr 2035 aussehen?

Die wichtigere Frage lautet: Welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden, damit Unternehmen und Menschen im Jahr 2035 nicht lediglich auf Veränderungen reagieren, sondern die neue Arbeits- und Lebenswelt aktiv mitgestalten können?

Robert Koppe

Speaker - Podcaster - Transformationsarchitekt

Themen

Beziehung , Industrie , Menschen , Mindset , Zukunft

Robert Koppe