Führung in der Krise: Was Jens Kramny über Haltung, Selbstführung und wirksame Leadership-Stärke lehrt

Führung in der Krise: Was Jens Kramny über Haltung, Selbstführung und wirksame Leadership-Stärke lehrt

Wie groß ein Problem wird, hängt nicht vom Problem selbst ab – sondern von der inneren Haltung. Dieser Satz bildet den Kern der Arbeit von Jens Kramny. Executive Coach, Speaker und Leadership-Experte. Und seit einer lebensverändernden Diagnose im Dezember 2024 betrachtet er Führung aus einer nochmals geschärften, existenziellen Perspektive.

 

Was bedeutet Haltung wirklich? Und warum entscheidet sie über die Qualität von Führung, Krisenbewältigung und unternehmerischem Erfolg?

 

Dieser Artikel analysiert seine wichtigsten Impulse – und zeigt, was Führungskräfte konkret daraus ableiten können.

 

Warum Haltung der wahre Leadership-Faktor ist

„Menschen folgen dem Menschen – nicht der Rolle.“

 

Für Jens Kramny beginnt Führung nicht mit Strategien, KPIs oder Organigrammen, sondern mit der inneren Haltung. Haltung ist dabei kein abstrakter Begriff, sondern das gelebte Wertegerüst eines Menschen.

 

Werte zeigen sich nicht in stabilen Phasen.
Sie zeigen sich unter Druck.

 

Gerade in kritischen Situationen wird sichtbar:

 

  • Welche Werte sind wirklich verankert?
  • Bleibt jemand klar, wenn es eng wird?
  • Wird Verantwortung übernommen oder delegiert?
  • Wird Zuversicht ausgestrahlt oder Unsicherheit multipliziert?

 

Haltung ist somit kein Soft Skill. Sie ist ein strategischer Führungsfaktor.

 

Krise als Brennglas: Wenn Werte sichtbar werden

Im Dezember 2024 erhielt Jens Kramny die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ein Moment, der – wie er selbst beschreibt – „den Boden unter den Füßen wegzieht“.

 

Doch nach der ersten Schockphase begann eine bewusste innere Arbeit. Eine zentrale Frage trug ihn durch diese Zeit:

 

Was, wenn es gut wird?

 

Hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied, den er klar formuliert:

 

Optimismus sagt: Es wird schon gut.
Zuversicht sagt: Egal was kommt, wir finden einen Weg.

 

Diese Haltung ist übertragbar – auf Unternehmen, auf Führungsteams und auf Transformationsprozesse.

 

Krisen sind im Business nicht Ausnahme, sondern Realität.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wie vermeiden wir Krisen?
Sondern: Wie führen wir durch sie?

 

Selbstführung als Fundament jeder Führung

Ein zentraler Gedanke seiner Arbeit lautet:

 

Wer sich selbst nicht führen kann, wird andere niemals dauerhaft führen können.

 

Selbstführung bedeutet:

 

  • Eigene Emotionen wahrnehmen und regulieren
  • Verantwortung für die eigene innere Stabilität übernehmen
  • Klarheit über Werte und Prioritäten entwickeln
  • Sich bewusst mit eigenen Ängsten und Widerständen auseinandersetzen

 

Gerade in seiner persönlichen Krise arbeitete Jens Kramny intensiv an sich. Nicht, um „positiv zu bleiben“, sondern um ehrlich hinzusehen.

 

Führung bedeutet nicht, immer stark zu sein.
Führung bedeutet, bewusst mit Schwäche umzugehen.

 

Für Unternehmen heißt das:
Leadership-Programme, die nur an Kommunikationstechniken arbeiten, greifen zu kurz. Ohne innere Klarheit bleibt äußere Führung instabil.

 

Die entscheidende Team-Frage: Wem würde ich meinen Fallschirm anvertrauen?

Ein besonders prägnantes Tool aus seiner Arbeit betrifft Team-Resilienz und Vertrauen.

 

Zwei Fragen empfiehlt er Führungskräften regelmäßig:

 

Würde ich mir von dieser Person den Fallschirm packen lassen?
Würde ich diese Person heute – mit allem Wissen – wieder einstellen?

 

Diese Fragen sind unbequem. Aber extrem wirkungsvoll.

 

Denn sie prüfen nicht Kompetenz allein, sondern:

 

  • Vertrauenswürdigkeit
  • Krisenstabilität
  • Loyalität in schwierigen Entscheidungen
  • Integrität im Hintergrund (Stichwort „Flurfunk“)

 

Für Führungskräfte bedeutet das konkret:

 

Nicht jeder High Performer ist automatisch ein Krisenanker.
Und nicht jeder Sympathieträger ist automatisch belastbar.

 

Gerade in Transformationsphasen entscheidet die Zusammensetzung des Teams über Geschwindigkeit und Stabilität.

 

Wer geht mit – und wer löst sich?

Eine weitere Erkenntnis aus seiner persönlichen Erfahrung:
Krisen zeigen, wer wirklich mitgeht.

 

Überraschend oft treten Menschen auf den Plan, mit denen man nicht gerechnet hat. Und andere ziehen sich zurück – nicht aus Bosheit, sondern aus Überforderung.

 

Diese Dynamik gilt auch in Unternehmen.

 

Deshalb sollte Leadership regelmäßig prüfen:

 

  • Wer trägt Entscheidungen mit?
  • Wer bleibt, wenn es ungemütlich wird?
  • Wer arbeitet im Hintergrund gegen Beschlüsse?
  • Wer ist wirklich krisenfest?

 

Unternehmenskultur zeigt sich nicht im Leitbild.
Sie zeigt sich im Ernstfall.

 

Von der Lebenskrise zur Leadership-Transformation

Die Erkrankung hat Jens Kramny nicht neu erfunden. Aber sie hat Dinge geschärft. Sichtbar gemacht und zugespitzt.

 

Krankheit wirkt wie ein Brennglas auf Werte.

 

Was ist wirklich wichtig?
Welche Prioritäten zählen?
Wie soll Führung aussehen?

 

Aus dieser Klarheit entstand die bewusste Entscheidung, noch stärker in Leadership-Coaching und Führungskräfte-Training einzusteigen.

 

Nicht aus Trotz.
Sondern aus Haltung.

 

Strategische Learnings für Führungskräfte

Für Führungskräfte ergeben sich daraus klare Handlungsprinzipien:

 

  1. Führung beginnt intern, nicht extern
    Investieren Sie in Selbstreflexion – nicht nur in Skill-Training.

  2. Krisen sind Kulturtests
    Nutzen Sie schwierige Phasen zur ehrlichen Team-Analyse.

  3. Vertrauen ist ein Performance-Faktor
    Stellen Sie sich regelmäßig die „Fallschirm-Frage“.

  4. Zuversicht ist kommunizierbar
    Haltung wirkt ansteckend – im Positiven wie im Negativen.

  5. Werte müssen unter Druck bestehen
    Definierte Unternehmenswerte sind nur relevant, wenn sie in Stresssituationen gelebt werden.

 

 

Fazit: Haltung ist keine Option – sie ist die Grundlage

Führung in der Krise ist keine rhetorische Disziplin.
Sie ist eine Frage innerer Klarheit.

 

Jens Kramny zeigt eindrücklich, dass Leadership nicht durch Titel entsteht, sondern durch Haltung. Nicht durch Kontrolle, sondern durch Selbstführung. Nicht durch Optimismus, sondern durch belastbare Zuversicht.

 

Gerade in Zeiten multipler Krisen – wirtschaftlich, gesellschaftlich, persönlich – wird diese Art von Führung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

 

Wer Haltung entwickelt, entwickelt Stabilität.
Wer Stabilität entwickelt, entwickelt Vertrauen.
Und Vertrauen ist die stärkste Währung moderner Führung.

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