Räume verändern, Blockaden lösen: Silvia Gitzel über ihr Prinzip der Lebensraumentfaltung

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Räume verändern, Blockaden lösen: Silvia Gitzel über ihr Prinzip der Lebensraumentfaltung
Foto: Justin Bockey

Die meiste Zeit des Lebens verbringt der Mensch in Innenräumen – zu Hause, im Büro oder an anderen Arbeitsorten. Doch Räume sind für Silvia Gitzel weit mehr als eine funktionale Umgebung. Sie können beeinflussen, wie Menschen arbeiten, kommunizieren und sich entwickeln. Genau hier setzt ihr Prinzip der Lebensraumentfaltung an.

Silvia Gitzel verbindet ihre Erfahrung als Architektin mit Feng Shui, Coaching und ihrer hellfühlenden Wahrnehmung. Daraus ist ein Ansatz entstanden, mit dem sie Menschen, Unternehmer und Teams dabei begleitet, Blockaden sichtbar zu machen, Klarheit zu schaffen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Was bedeutet Lebensraumentfaltung?

Die Grundlage der Lebensraumentfaltung bildet die Architektur. Räume werden gestaltet und erhalten dadurch eine bestimmte Struktur und Wirkung. Silvia Gitzel bemerkte jedoch früh, dass für sie hinter der sichtbaren Gestaltung eine weitere Ebene existiert.

Durch ihre hellfühlende Wahrnehmung erkannte sie nach eigener Aussage immer wieder Blockaden in Räumen. Daraufhin beschäftigte sie sich intensiver mit Feng Shui und ergänzte ihre Kenntnisse schließlich um Coaching-Elemente.

So entwickelte sich ein Gesamtansatz, der Raumgestaltung und persönliche Entwicklung miteinander verbindet. Der Raum wird dabei nicht isoliert betrachtet. Vielmehr stehen der Mensch, seine aktuelle Lebens- oder Unternehmenssituation und seine Umgebung in einer Wechselbeziehung.

Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist deshalb das „Lesen“ von Räumen. Gleichzeitig nutzt sie die räumliche Gestaltung, um Erkenntnisse aus dem Coaching sichtbar werden zu lassen. Dahinter steht die Idee, dass Menschen über Bilder und ihre Umgebung Zusammenhänge besonders unmittelbar wahrnehmen können.

Wenn das Problem im Unternehmen ganz woanders liegt

Wie eng Raum, Persönlichkeit und unternehmerische Entscheidungen miteinander verbunden sein können, verdeutlicht Silvia Gitzel anhand eines Beispiels aus ihrer Arbeit.

Zwei Frauen wollten gemeinsam ein Unternehmen gründen und entwickelten dafür ein Firmenschild. Mehrere Versuche führten jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis. Silvia Gitzel betrachtete daraufhin nicht nur die Gestaltung des Schildes, sondern bezog Feng Shui, Raumarchitektur und die beiden Gründerinnen selbst in ihre Analyse ein.

Dabei zeigte sich ein wesentlich grundlegenderes Problem: Die beiden Frauen hatten nicht eindeutig geklärt, wer innerhalb des zukünftigen Unternehmens welche Aufgaben übernehmen sollte.

Wer übernimmt das Coaching? Wer kümmert sich um die Kundenakquise? Wer trägt Verantwortung für betriebswirtschaftliche Themen und die Buchhaltung?

Diese Fragen waren ungeklärt geblieben.

Nachdem Silvia Gitzel diese fehlende Rollenverteilung sichtbar gemacht hatte, führten die beiden Frauen ein intensives Gespräch. Das Ergebnis war bemerkenswert: Sie entschieden sich gegen die gemeinsame Gründung und gingen beruflich getrennte Wege.

Das Beispiel zeigt einen zentralen Gedanken ihrer Arbeit: Manchmal ist das sichtbare Problem lediglich ein Hinweis auf eine tiefer liegende Blockade.

Klarheit durch eine Perspektive von außen

Gerade in Unternehmen können Konflikte, Routinen und persönliche Beziehungen den Blick auf die eigentliche Ursache eines Problems erschweren. Silvia Gitzel sieht deshalb einen wesentlichen Vorteil ihrer Arbeit darin, von außen auf eine Situation schauen zu können.

Sie selbst ist nicht emotional in die bestehenden Konflikte und Dynamiken eingebunden. Dadurch kann sie Strukturen analysieren und nach den Ursachen des empfundenen Chaos suchen.

Diese Perspektive verbindet sie im Interview mit dem Bild des Gehängten aus dem Tarot: Eine Situation wird bewusst aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Der Perspektivwechsel kann neue Zusammenhänge sichtbar machen. Gerade bei Krisen oder schwierigen Projekten geht es für Silvia Gitzel darum, Ordnungssysteme zu schaffen und herauszufinden, welche Menschen welche Aufgaben übernehmen sollten. Auf diese Weise können Teams neu zusammengesetzt und Verantwortlichkeiten klarer verteilt werden.

Jeder Mensch ist Unternehmer seines eigenen Lebens

Die Idee zur Lebensraumentfaltung entwickelte sich laut Silvia Gitzel etwa 2013 beziehungsweise 2014. Zu dieser Zeit beschäftigte sie sich selbst intensiv mit dem Gedanken der Selbstständigkeit.

Dabei entstand für sie ein Leitgedanke, der ihre heutige Arbeit prägt:

Jeder Mensch ist in gewisser Weise Unternehmer – unabhängig davon, ob er tatsächlich ein Unternehmen besitzt.

Entscheidend ist für sie die Frage, was ein Mensch in seinem eigenen Leben „unternimmt“. Denn jeder gestaltet seinen Alltag, trifft Entscheidungen und übernimmt Verantwortung für bestimmte Entwicklungen.

Gleichzeitig beobachtete sie bei sich selbst und anderen Menschen Blockaden. Besonders das alltägliche Geschäft könne viel Energie beanspruchen. Deshalb möchte sie ihren Klienten vermitteln, dass sie das Steuer ihres Lebens selbst in der Hand halten.

Unternehmertum erhält damit innerhalb ihrer Methode eine wesentlich breitere Bedeutung. Es geht nicht ausschließlich um Umsatz, Kunden oder beruflichen Erfolg, sondern um Selbstverantwortung und aktive Lebensgestaltung.

Räume als Spiegel von Kommunikation und Entwicklung

Zur Lebensraumentfaltung gehört für Silvia Gitzel auch die Wirkung von Farben.

Im Interview fällt ihr beispielsweise unmittelbar das gelbe Sofa auf. Den warmen Gelbton verbindet sie mit Kommunikation, aber auch mit dem Thema des Lehrens und der Weitergabe von Wissen.

Damit zeigt sich erneut die Verbindung verschiedener Ebenen ihres Ansatzes. Ein Raum besteht nicht nur aus Wänden, Möbeln und funktionalen Bereichen. Farben und Gestaltung können ebenfalls eine Bedeutung erhalten und mit dem verbunden werden, was in diesem Raum geschieht.

Auch die Farbe Rot interpretiert Silvia Gitzel auf mehreren Ebenen. Für sie steht Rot unter anderem für Weiblichkeit und Liebe, kann aber ebenso mit Aggression verbunden werden. Darüber hinaus betrachtet sie Rot als Transformationsfarbe und verweist auf die Natur: Neue Blätter können zunächst rot erscheinen und später grün werden – oder sich beim Verwelken von Grün zu Rot verändern.

Räume und Farben werden auf diese Weise zu Bildern für Veränderungsprozesse.

Architektur, Feng Shui und Coaching zusammengedacht

Das Besondere an der Lebensraumentfaltung ist damit weniger eine einzelne Methode als die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven.

Silvia Gitzel bringt ihre architektonische Grundlage mit Feng Shui, Coaching, Farbenlehre und ihrer eigenen hellfühlenden Wahrnehmung zusammen. Der Raum wird dabei zum Ausgangspunkt für Fragen, die weit über Einrichtung und Gestaltung hinausgehen können.

Wo bestehen Blockaden? Wo fehlen klare Verantwortlichkeiten? Welche Perspektive wurde bislang nicht berücksichtigt? Und welche Veränderung braucht ein Mensch oder ein Unternehmen, um wieder handlungsfähig zu werden?

Gerade die Verbindung von analytischem Denken und spirituellen Ansätzen prägt dabei ihre Arbeit. Denn obwohl Spiritualität einen wichtigen Bestandteil ihrer Methode bildet, geht es in den beschriebenen Beispielen immer wieder um sehr konkrete Fragen: Aufgabenverteilung, Verantwortung, Entscheidungen, Zusammenarbeit und Klarheit.

Fazit: Veränderung beginnt manchmal mit einem neuen Blick auf den eigenen Raume

Räume sind ständig Teil des menschlichen Lebens. Sie umgeben Menschen beim Arbeiten, Wohnen, Kommunizieren und Treffen wichtiger Entscheidungen. Für Silvia Gitzel liegt genau darin ihr Potenzial.

Mit ihrem Prinzip der Lebensraumentfaltung betrachtet sie deshalb nicht nur den Raum selbst, sondern auch die Menschen und Strukturen, die darin wirken. Architektur, Feng Shui und Coaching werden miteinander verbunden, um Blockaden aufzuspüren und neue Perspektiven zu ermöglichen.

Dabei muss eine erfolgreiche Veränderung nicht zwangsläufig bedeuten, lediglich einen Raum neu einzurichten. Manchmal führt die Beschäftigung mit dem Raum zu einer viel grundlegenderen Erkenntnis – etwa darüber, welche Aufgabe zu einem Menschen passt, welche Zusammenarbeit funktioniert oder welcher berufliche Weg tatsächlich der richtige ist.

Die zentrale Botschaft ihrer Arbeit lautet damit: Der Mensch kann Verantwortung für die Gestaltung seines Lebens übernehmen. Und manchmal beginnt diese Entfaltung genau dort, wo er einen großen Teil seines Lebens verbringt – im eigenen Lebens- und Arbeitsraum.