IT-Support mit fünf Sternen: Was Jeannette Bastian aus der Hotellerie in den Servicealltag überträgt

Yvonne Frei


IT-Support mit fünf Sternen: Was Jeannette Bastian aus der Hotellerie in den Servicealltag überträgt
Foto: Justin Bockey

 
Ein technisches Problem ist gelöst, das Ticket geschlossen, doch wie hat der Mensch auf der anderen Seite den Kontakt erlebt? In „5 Sterne für die IT“ überträgt Jeannette Bastian Serviceprinzipien aus der gehobenen Hotellerie auf den IT-Support. Die Service-Excellence-Expertin zeigt anhand von Alltagssituationen, wie persönliche Ansprache, klare Zuständigkeiten und verlässliche Informationen technische Qualität erlebbar machen können.

Ein Empfang, der mehr leistet als ein Check-in

Die Idee zum Buch entstand nach einem langen Arbeitstag in einem Hotel. Jeannette Bastian beschreibt, wie sie müde aus der Tiefgarage zur Rezeption kam. Dort wurde sie bereits mit ihrem Namen begrüßt. Sie musste sich nicht erst als Buchung identifizieren, sondern fühlte sich willkommen.

Hinter diesem Moment stand Vorbereitung: Das bei der Buchung angegebene Autokennzeichen war bei der Einfahrt erkannt und der Reservierung zugeordnet worden. Die Mitarbeiterin konnte deshalb persönlich auf den ankommenden Gast reagieren.

Bastian interessierte daran das Zusammenspiel. Technik stellte eine Information bereit; ein Mensch nutzte sie aufmerksam. Eine spätere Nachricht des Hotels, die nach ihrer Heimreise und möglichen offenen Wünschen fragte, führte diesen Eindruck fort.

Für die Autorin wurde daraus eine Frage an die eigene Branche: Wie lässt sich ein vergleichbares Gefühl von Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit im IT-Support schaffen?

IT-Support beginnt beim Menschen hinter dem Ticket

Bastian schreibt aus ihrer Arbeit im Service Management eines mittelständischen IT-Unternehmens. Im Buch berichtet sie von mehr als fünfzehn Jahren Erfahrung im IT-Service-Management sowie vom Aufbau und der Weiterentwicklung von Serviceorganisationen.

Ihr Ansatz setzt bei einer Unterscheidung an: Eine Störung beschreibt den technischen Vorgang. Sie erklärt noch nicht, was dieser Vorgang für den betroffenen Menschen bedeutet.

Hinter einem gesperrten Benutzerkonto kann ein bevorstehender Kundentermin stehen. Hinter einem ausgefallenen Gerät die Sorge, eine zugesagte Aufgabe nicht rechtzeitig erledigen zu können. Wer diese Situation erfragt, erhält einen anderen Blick auf den Unterstützungsbedarf.

Das Buch formuliert dazu einen knappen Leitgedanken:

„Nicht jedes Ticket ist dringend. Aber jeder Mensch dahinter ist wichtig.“

Damit verbindet Bastian fachliche Priorisierung mit persönlicher Aufmerksamkeit. Auch eine Anfrage, die nicht sofort bearbeitet werden kann, verdient eine verständliche Antwort und eine klare Auskunft zum weiteren Vorgehen.

Die Nähe zur Hotellerie liegt für sie genau hier: Beide Bereiche arbeiten vielfach im Hintergrund und werden besonders sichtbar, wenn etwas nicht funktioniert. Dann zählt neben der Problemlösung auch, wie der Kontakt gestaltet wird.

Verlässlichkeit lässt sich mitteilen, bevor die Lösung feststeht

Ein wiederkehrendes Thema des Buches ist die Zeit zwischen Anfrage und Lösung. Für das IT-Team kann diese Phase voller Arbeit sein. Beim Kunden kommt davon möglicherweise wenig an.

Bastian empfiehlt deshalb, Zwischenstände aktiv zu kommunizieren. Ihr Beispiel lautet:

„Wir melden uns in dreißig Minuten mit einem Update, auch wenn es noch keine Lösung gibt.“

Die Zusage legt einen nächsten Kontakt fest, ohne eine technische Lösung zu versprechen, deren Zeitpunkt noch unklar ist. Der Kunde weiß, wann er wieder eine Nachricht erhält.

Auch feste Ansprechpartner gehören zu ihrem Serviceverständnis. Wer bei jedem Anruf erneut den gesamten Vorgang erklären muss, erlebt Unterstützung anders als jemand, der seine zuständige Kontaktperson kennt. Das Buch empfiehlt deshalb, Verantwortlichkeiten und Vertretungen offen zu benennen.

Der letzte Kontakt ist ebenso bewusst zu gestalten wie der erste. Ein kurzes Nachfragen, ob nach der Störungsbehebung alles wieder funktioniert oder weitere Fragen offen sind, ergänzt den technischen Abschluss um die Perspektive des Nutzers.

Kleine Verbesserungen für den nächsten Supportkontakt

„5 Sterne für die IT“ enthält Arbeitsblätter, Reflexionsfragen und Anleitungen für die Umsetzung im Team. Bastian setzt dabei auch auf überschaubare Veränderungen, die sie als Quick-Wins bezeichnet.

Aus den Beispielen des Buches lassen sich vier konkrete Ansätze für den Servicealltag auswählen:

  • Persönlich begrüßen: In der ersten Antwort zeigen, wer die Anfrage aufgenommen hat und sich darum kümmert.
  • Den Anlass verstehen: Nachfragen, was die Störung gerade verhindert und welche Unterstützung benötigt wird.
  • Den nächsten Kontakt vereinbaren: Einen realistischen Zeitpunkt für die nächste Information nennen.
  • Den Abschluss prüfen: Nach der Lösung klären, ob aus Kundensicht tatsächlich alles erledigt ist.


Dazu kommt vorausschauende Vorbereitung. Das Buch nennt etwa Ersatzgeräte, dokumentierte Übergangslösungen oder einen vorbereiteten Plan B für ein Meeting. Die Frage „Brauchen Sie eine Übergangslösung, bis wir das reparieren?“ zeigt Bastians Perspektive besonders deutlich: Der Blick reicht über die Reparatur hinaus zu dem, was der Mensch in der Zwischenzeit tun muss.

Nicht sämtliche Abläufe müssen dafür gleichzeitig verändert werden. Die Autorin schlägt vor, zunächst den eigenen Service zu betrachten und gezielt Verbesserungen auszuwählen.

Fünf-Sterne-Service braucht ein Team, das Verantwortung tragen kann

Persönliche Aufmerksamkeit lässt sich nicht allein durch freundlichere Textbausteine herstellen. Bastian verbindet den Kontakt nach außen mit der Zusammenarbeit im IT-Team.

Sie empfiehlt Räume für Austausch, gemeinsames Lernen und die Auseinandersetzung mit gelungenen wie schwierigen Kundensituationen. Was hat geholfen? Wo entstand ein Missverständnis? Welche Information hätte früher kommen müssen?

Auch Fehlerkultur gehört dazu. Das Buch beschreibt einen Weg vom offenen Benennen eines Problems über Verantwortung und Ursachenanalyse bis zur nachvollziehbaren Verbesserung. Eine Entschuldigung ist in diesem Verständnis ein Anfang; entscheidend ist, was anschließend geändert wird.

Verantwortung zeigt sich dabei sehr konkret: in einer zuständigen Person, einem verständlichen Plan und einer Kommunikation, die den Kunden nicht zwischen Abteilungen alleinlässt. Führung hat die Aufgabe, diese Haltung im Team zu ermöglichen und anzuerkennen.

Qualität wird im Kontakt sichtbar

Der Hotelvergleich in „5 Sterne für die IT“ lenkt die Aufmerksamkeit auf Details, die in einer rein technischen Betrachtung leicht untergehen. Eine Begrüßung, ein angekündigtes Update oder eine passende Übergangslösung können sichtbar machen, dass jemand die Situation verstanden hat.

Bastians Buch eröffnet damit eine zusätzliche Frage für IT-Teams: Neben „Haben wir die Störung behoben?“ steht „Hat der Kunde währenddessen gewusst, dass wir uns kümmern?“

Ihr Anspruch an fünf Sterne liegt in diesem Zusammenspiel von fachlicher Arbeit und bewusst gestaltetem Kontakt. Technische Qualität erhält ein Gesicht und der geschlossene Vorgang einen Abschluss, der auch für den Menschen dahinter nachvollziehbar ist.

Yvonne Frei

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