ADHS, Hochsensibilität oder Überlastung?   Was hinter den Symptomen stecken kann
Foto: Justin Bockey

ADHS, Hochsensibilität oder Überlastung?  Was hinter den Symptomen stecken kann

Von: Sonja Ilitz

Ein Kind, das „nicht stillsitzen kann“. Ein Teenager, der bei kleinsten Reizen explodiert. Ein Vorschulkind, das nachts schlecht schläft, tagsüber weint und in der Kita „auffällig“ wird. Und irgendwo zwischen Elternsorge, Schulalltag, Fachbegriffen und Diagnoseschubladen steht oft die gleiche Frage im Raum:

 

Ist es wirklich ADHS? Ist es Hochsensitivität? Oder ist das Nervensystem einfach am Limit?

 

In meinem Buch „Jedes Kind kann strahlen „Wege aus HPU, ADHS, Konzentrationsstörung und Schulangst“ zeige ich, warum diese Symptome häufig wie ADHS wirken  und warum es so entscheidend ist, nicht beim Etikett stehenzubleiben, sondern ursachenorientiert hinzuschauen. Denn ein Label kann entlasten. Aber Ursachenarbeit stabilisiert.

 

Warum sich ADHS, Hochsensitivität und Überlastung so ähnlich anfühlen

Viele Symptome sind nicht exklusiv. Sie sind Ausdruck von Stress und Stress kann unterschiedliche Quellen haben: körperlich, emotional, sozial, schulisch.

 

Typische Überschneidungen:

  • Konzentrationsprobleme, Tagträumen, „Filter geht nicht“
  • emotionale Ausbrüche, schnelle Überforderung
  • körperliche Unruhe oder innere Anspannung
  • Schlafprobleme, frühes Wachwerden, Albträume
  • Bauchweh, Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit
  • Schulangst, Vermeidungsverhalten, Rückzug
  • starke Reizempfindlichkeit (Geräusche, Licht, Menschenmengen)
  • niedrige Frustrationstoleranz, „Null-Puffer“


Das sind keine Charakterschwächen. Das sind Signale. Und oft sind es Signale eines Systems, das zu lange kompensiert hat.

 

Der häufigste Denkfehler: Wir bewerten Verhalten, statt den Körper zu verstehen

Wenn ein Kind auffällt, wird schnell nach pädagogischen oder psychologischen Erklärungen gesucht. Das ist verständlich, denn das Verhalten ist sichtbar.

 

Aber die entscheidende Frage lautet:

 

Hat das Kind überhaupt die biologischen Voraussetzungen, um ruhig, konzentriert und emotional stabil zu sein?

 

Selbstregulation braucht „Baustoffe“ und Sicherheit im System:

  • stabile Neurotransmitter-Balance
  • ausreichend Mikronährstoffe
  • ein belastbares Stress-Regulationssystem
  • ein ruhiges, gut versorgtes Nervensystem
  • ein Körper, der Entzündungen und Reize verarbeiten kann

 

Wenn diese Grundlagen fehlen, wirkt ein Kind „unkooperativ“,  dabei ist es oft schlicht überfordert.

 

Was hinter den Symptomen stecken kann: fünf Ursachenfelder, die häufig übersehen werden

Wichtig vorab: Es geht nicht darum, Diagnosen zu ersetzen. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, damit Familien nicht in einer Endlosschleife aus Vermutungen und Selbstzweifeln landen.

 

1) Ein Nervensystem im Dauer-Alarm

Dauerstress (auch „leiser“ Stress) bringt das System in Alarmbereitschaft. Kinder wirken dann impulsiver, unruhiger, emotionaler;  nicht, weil sie „wollen“, sondern weil ihr Körper auf Überleben programmiert.

 

Hinweise im Alltag:

  • starke Reaktionen auf Kleinigkeiten
  • Kontrollverhalten, Perfektionismus oder Rückzug
  • körperliche Unruhe, Nägelkauen, Anspannung
  • „Zusammenbruch“ nach Schule/Kita zuhause

 

2) Mikronährstoffmängel und „leere Akkus“

Fokus, emotionale Stabilität und Schlaf sind abhängig von Nährstoffverfügbarkeit. Fehlen essenzielle Baustoffe, ist Regulation schwer möglich.

 

Und hier liegt ein häufiger Stolperstein: Es geht nicht um „ein paar Vitamine“, sondern um Strategie und Stabilität: Aufnahme, Verträglichkeit, Dosierung, Synergien und der Blick auf den Alltag.

 

3) Darmbelastungen, Unverträglichkeiten, stille Entzündungen

Der Darm spielt eine Schlüsselrolle für Immunsystem, Stimmung und Reizverarbeitung. Dysbalancen, entzündliche Prozesse oder Trigger (z. B. Histamin-Last) können das Nervensystem dauerhaft „reizen“, sodass das Kind schneller kippt.

 

4) Schlaf als Verstärker (oft unterschätzt)

Zu wenig oder schlechter Schlaf macht jedes Kind „ADHS-ähnlicher“: weniger Frustrationstoleranz, mehr Impulsivität, weniger Fokus. Schlaf ist keine Nebensache, sondern ein zentraler Regler.

 

5) Stoffwechselvarianten wie HPU

Ein Feld, das in vielen Diagnostikwegen unter dem Radar bleibt: HPU (Hämopyrrollaktamurie) kann über Stoffwechselprozesse und Mikronährstoffdynamiken dazu beitragen, dass Kinder schneller überreizt, erschöpft, emotional instabil oder konzentrationsschwach sind.

 

Der Kernpunkt ist: Wenn der Stoffwechsel instabil ist, verliert ein Kind oft das Vertrauen in den eigenen Körper – weil Symptome wechseln, überraschend auftreten und „keiner etwas findet“.

 

Wenn du wissen willst, ob HPU bei deinem Kind mit dahinterstecken kann, findest du hier einen kurzen Fragebogen:
HPU-Fragebogen | Sonja Ilitz

 

ADHS oder Ursachenmix? Leitfragen für mehr Klarheit im Alltag

In der Praxis ist es selten ein klares Entweder-oder. Diese Leitfragen helfen, Muster zu erkennen:

  • Sind die Symptome situationsabhängig (z. B. v. a. Schule/Kita) oder konstant?
  • Gibt es körperliche Begleitsymptome (Bauch, Kopf, Schlaf, Infekte, Haut)?
  • Ist das Kind nach außen „funktional“, bricht aber zuhause zusammen?
  • Gab es Phasen, in denen es deutlich besser war (Ferien, weniger Stress, angepasste Ernährung)?
  • Wirkt es eher „getrieben“ oder eher „überreizt“?
  • Hat das Kind Angst vor Symptomen oder fühlt sich „falsch“, weil niemand eine Erklärung findet?

 

Je mehr körperliche Signale und Stressabhängigkeit sichtbar werden, desto wichtiger wird ein ursachenorientierter Blick.

 

Der Hebel, der wirklich trägt: Stabilität über drei Säulen

In meinem Buch und in meiner Arbeit zeigt sich immer wieder: Familien kommen nicht weiter, wenn sie nur Verhalten „managen“. Stabilität entsteht, wenn der Körper wieder Ressourcen bekommt und das Nervensystem Sicherheit erlebt.

 

Ein tragfähiger Ansatz ist der Dreiklang:

 

Säule 1: Nahrungsergänzung gezielt und individuell

Nicht „viel hilft viel“, sondern fundiert, verträglich und aufbauend – mit Blick auf das Nervensystem und den Alltag.

 

Säule 2: Ernährung als Entlastung, nicht als Dogma

Alltagstauglich, regulierend, entzündungsbewusst – ohne Perfektionsdruck. Kleine, konsequente Schritte schlagen radikale Umstellungen.

 

Säule 3: Nervensystemregulation als Gamechanger

Selbst die besten Nährstoffe wirken begrenzt, wenn das System dauerhaft im Alarmzustand bleibt. Regulation bedeutet: Reizverarbeitung verbessern, Stressmuster lösen, Sicherheit im Körper aufbauen – kindgerecht und realistisch.

 

Alle drei Säulen gehören zusammen. Und genau hier entsteht die Stabilität, die viele Kinder (und Eltern) zum ersten Mal wirklich spüren.

 

Warum das auch im Business-Kontext relevant ist

ADHS-Debatten und Familienbelastung sind längst kein Privatproblem. Wenn Kinder instabil sind, sind Eltern in Daueranspannung – und das wirkt in den Arbeitsalltag hinein: Fehlzeiten, Erschöpfung, mentale Belastung, reduzierte Leistungsfähigkeit.

 

Organisationen, die Familien wirksam unterstützen wollen, profitieren von:

  • Entstigmatisierung statt Schnelllabels
  • Aufklärung und Prävention
  • Gesundheitskompetenz, die Körper und Psyche zusammendenkt
  • echten Ressourcen für Eltern, statt zusätzlichem Druck

 

Ein Kind, das stabil wird, stabilisiert ein ganzes System.

 
Schlussgedanke: Das Label erklärt nicht die Ursache

Wenn ADHS im Raum steht, nimm die Symptome ernst. Aber bleib nicht beim Etikett stehen.

 

Die entscheidende Frage ist nicht: „Was hat mein Kind?“
Sondern: „Was braucht sein System, um sich sicher, ruhig und leistungsfähig zu fühlen?“

 

Buch: Sonja IlitzDas Buch "Jedes Kind kann strahlen" hier bestellen.

 

Wenn du tiefer einsteigen willst: In meinem Buch „Jedes Kind kann strahlen – Wege aus HPU, ADHS, Konzentrationsstörung und Schulangst“ führe ich Schritt für Schritt durch die häufigsten Ursachenfelder  und zeige konkrete Wege, wie Familien wieder Klarheit, Handlungsfähigkeit und Stabilität aufbauen können.

 

Und wenn du als ersten Schritt prüfen möchtest, ob HPU bei deinem Kind mit eine Rolle spielen könnte:
HPU-Fragebogen | Sonja Ilitz

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