Dem Schimmel auf der Spur
Foto: Dominik Pfau

Dem Schimmel auf der Spur

Schimmel treibt in immer mehr deutschen Haushalten sein Unwesen. Wie man den verhassten Untermieter wieder los wird, weiß niemand besser als Jürgen Jörges, Deutschlands bekanntester Schimmel-Experte. Seit mehr als 20 Jahren kämpft der Sachverständige gegen den kleinen, meist unsichtbaren Feind. Und gegen das Unwissen. Denn „Der Schimmelfahnder“ ist überzeugt: Unser Wohnverhalten ist schuld, dass sich der Schimmel in unserem Leben ausbreitet. Sachverständige haben meist ein Problem. Sie wissen viel, doch ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse kommen beim Laien nicht an. Jürgen Jörges beweist, dass es auch anders geht. Der Sachverständige für das Maler- und Lackiererhandwerk hat sich als „Der Schimmelfahnder“ einen Namen gemacht und gilt als Deutschlands bekanntester Schimmel-Experte. Statt mit Fachchinesisch zu beeindrucken, vermittelt der 56-Jährige sein Know-how unterhaltsam und leicht verständlich. Und das mit großem Erfolg. Ob in Podcasts, Radiosendungen, Fernseh-Talkshows oder in seinem ersten Erfolgsbuch „Schimmel, Arsch und Zwirn“: Dank Jürgen Jörges spricht ganz Deutschland über Sporen, Pilze und Co.

Genau das ist bitter nötig, sagt der Schimmel-Experte. „Zum Thema Schimmel herrscht eine riesige Unwissenheit. Es ist an der Zeit, das Thema aus der Schmuddelecke zu holen und den Menschen nahezubringen.“ Wie nah der Schimmel den Menschen ist, sieht Jürgen Jörges täglich. Seit über 20 Jahren ist der Sachverständige aus der Nähe von Frankfurt am Main unterwegs, um den kleinen, meist unsichtbaren Plagegeist aufzuspüren und zu beseitigen. Seine Kunden sind Mieter, Vermieter oder Hauseigentümer, die nur eins wollen: Den Schimmel loswerden. Dann beginnt für Jürgen Jörges die Ermittlungsarbeit. Präsentiert sich der Schimmel großflächig an der Wand oder ist durch den typisch muffig-modrigen Geruch einfach zu orten, hat der Experte Glück. Kniffliger wird es, wenn sich der Schimmel versteckt und Jürgen Jörges beweisen muss, warum er zu Recht „Schimmel-Schimanski“ genannt wird. „Mein Job ist oft akribische Polizeiarbeit. Es kann dauern, bis ich den Täter finde“, sagt er. Als Schreinermeister, Maler- und Lackierermeister kennt Jörges die Schwachstellen eines Gebäudes genau. Er weiß, besonders hinter Decken- und Wandverkleidungen oder unter dem Fußbodenbelag wuchern Schimmelpilze oft unentdeckt. In diesen Fällen nimmt der Experte eine Materialprobe, letzte Gewissheit bringt das Laborergebnis. Doch Jürgen Jörges wäre nicht der Schimmel-Schimanski, wenn er bei der Fahndung nicht auf die neueste Technik setzen würde. Seine schärfste Waffe im Kampf gegen den unsichtbaren Feind im Haus ist die Bauforensik. Vergleichbar mit der Forensik, wie sie die Kriminalpolizei bei der Ermittlungsarbeit nutzt, ermöglicht es diese Technik mithilfe von Spezialbrillen, Forensikkamera und speziellen Kamerafiltern sowie Tatortlampen, verdeckte Schimmel- oder Wasserschäden sichtbar zu machen. Selbst mangelhaft ausgeführte Deckanstriche und Materialunterschiede kann der Schimmelfahnder mithilfe der Bauforensik entlarven. Vor allem Menschen, die eine Immobilie kaufen möchten, können von der neuen Technik profitieren, sagt Jürgen Jörges. „Das Licht macht Spuren sichtbar. Und erst wenn ich die Spur finde, kann ich sie auch verfolgen und den Schimmel lokalisieren.“ Das Foto sei zwar kein endgültiger Beweis. „Aber es liefert mir einen ersten Anhaltspunkt, um in die Tiefe zu gehen.“ Ist der Schimmelschaden gefunden, beginnt für den Schimmel-Schimanski die Ursachenforschung. Immer wieder erlebt der Experte, dass beim Thema Schimmel die „Schwarze-Peter-Karte“ gespielt wird. Insbesondere Mieter und Vermieter schieben sich gern gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Jürgen Jörges hat auf die Schuldfrage immer dieselbe Antwort: „Schuld am Schimmel ist immer das Wasser.“ Seine Aufgabe ist es, herauszufinden, wie das Wasser in das Gebäude gelangt. Gibt es einen Wassereintritt am Mauerwerk? Einen Rohrleitungsschaden? Eine undichte Silikonfuge? Doch selbst, wenn er einen baulichen Mangel entdeckt,der Schimmelfahnder gibt sich damit nicht zufrieden.

„Natürlich muss der Schaden benannt und behoben werden. Aber damit allein werde ich den Schimmel nicht los. Man muss die Menschen, die das Gebäude bewohnen, in die Ursachenforschung einbeziehen.“ Jürgen Jörges ist überzeugt: Unsere moderne Lebensweise ist schuld, dass sich der Schimmel immer mehr in unserem Leben ausbreiten kann. „Wir haben verlernt, wie richtiges Wohnen funktioniert. Und unsere Gebäude geben uns die Quittung“. Was falsch läuft, sieht Jürgen Jörges oft auf den ersten Blick: Zugestellte Fensterbänke, die kein richtiges Lüften zulassen. Wäsche, die in der Wohnung getrocknet wird. Kleintierkäfige. Blumentöpfe. XXL-Mülleimer, in denen der Abfall tagelang vor sich hingammelt. Auch das moderne Duschverhalten sieht Jörges kritisch: In vielen Haushalten werde zwei- bis dreimal pro Tag geduscht. Zu viel, insbesondere für Häuser, die aus den sechziger Jahren stammen, als nur einmal pro Woche gebadet wurde. Der Experte fordert deshalb mehr Disziplin durch regelmäßige Putzeinsätze oder richtiges Lüften. Und er appelliert für mehr Achtsamkeit. „Die Menschen müssen sich endlich bewusst machen, wie sie wohnen und ihr Verhalten hinterfragen.“ Mittlerweile ist der Schimmelfahnder so gefragt, dass sein Auftragsbuch aus allen Nähten platzt. Aus ganz Deutschland erreichen ihn Hilferufe verzweifelter Menschen. Auch für sie hat Jürgen Jörges eine Lösung parat: Er bietet unter www.juergen-joerges.de einen Online-Kurs an; eine Art Soforthilfe, die die häufigsten Fragen zum Thema Schimmelbefall beantwortet sowie Lösungen und Handlungsanleitungen liefert. Ein Vor-Ort-Termin durch einen Sachverständigen lasse sich dadurch zwar nicht immer ersetzen, betont Jürgen Jörges. „Aber viele Menschen brauchen nur eine erste Einschätzung. Dafür ist der Online-Kurs perfekt geeignet.“ Wenn es nötig ist, setzt sich der Schimmel-Schimanski auch weiterhin ins Auto und fährt quer durch Deutschland. Im Kampf gegen das Unwissen und für seine Mission „Ein schimmelfreies Leben für Jedermann.“

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